Gewählt werden: Im Social Web

Samstag, 28. September 2013 |
Veröffentlicht in Stadt Erlangen

950 Wörter

Der Wahlkampf im Social Web nimmt zu – Kontakt mit den Kandidaten wird vereinfacht

 

Wer in den Bundestag gewählt werden will, wählt das Social Web – also Twitter, Facebook und speziell zu Wahlen: abgeordnetenwatch.de

ERLANGEN – Facebook erreicht 22 Millionen Deutsche und ist damit die am weitesten verbreitete Social-Media-Plattform in der Republik. Und sie bringt mittlerweile in Wahlzeiten die Kandidaten an die Wähler.

Facebook-Freunde sind Wählerstimmen – glauben jedenfalls diejenigen, die sich um ein politisches Mandat bewerben. Viele haben deshalb Profile in den sozialen Netzwerken angelegt und zeigen, wer sie sind – auch in Stadt und Landkreis Erlangen. So auch Ernst Rappold, (Bundestagskandidat für Bündnis 90/die Grünen) und Stefan Müller, Bundestagsabgeordneter der CDU.

Rappold hält sehr viel vom Einsatz von Blogs, Facebook oder Twitter im Wahlkampf. Über Social Web kann sehr viel Kommunikation mit den Wählern laufen. Die Kandidaten sind sich dessen bewusst.

Für Wahlkampf bedeutend

Martina Stamm-Fibich (SPD), Ernst Rappold (Bündnis 90/die Grünen), Beate Haskic (BP), Michael Szekely (FDP) und Axel Rogner (Freie Wähler), sie alle sind mit einem Facebook-Profil vertreten. Rappold kennt den Einfluss des Social Web auf den Wahlkampf: „Social Web ist jetzt schon sehr bedeutend, da passieren Geschichten, wo ruckzuck tausende Leute dranhängen. Allerdings finden wenig konstruktive Diskussionen der Bürger mit den Kandidaten statt. Ich denke, in Zukunft wird der Wahlkampf im Internet viel größere Bedeutung haben.“

Collage Social Web der Erlanger Politiker

Die Kandidaten nutzen Social Web für den Kontakt zum Wähler

Müller sieht das ähnlich: „Es sind spannenden zusätzliche Wege, auf denen Bürger sich über Politik informieren und direkt mit Politikern ins Gespräch kommen können. Der Einfluss wird aber überschätzt. Die Massenmedien wie Fernsehen und überregionale Zeitungen haben nach wie vor den größten Einfluss auf die Meinungsbildung der Menschen.“

Auch Müller stellt sich am 22. September erneut zur Wahl. Er ist im Netz aktiv: auf seinem Facebook-Profil stellt er Posts zu seinem politischen Alltag ein und präsentiert seine Person. „Ich nutze Facebook, Twitter, abgeordnetenwatch.de und betreibe eine eigene Homepage mit Blog.“ Bis auf wenige Ausnahmen sind alle Kandidaten mit einer Homepage vertreten. Sie präsentieren darauf ihre Person, bloggen oder bringen Stellungnahmen zu aktuellen politischen Vorgängen, wie z.Bsp. Beate Haskic (BP).

Im Internet müssen die Kandidaten ihre Einträge an das Medium anpassen. Rappold sieht spontane, kurze Geschichten als am Besten geeignet an. Doch Rappold empfindet das Social Web als nicht sehr nutzerfreundlich: „Ich finde es sehr unübersichtlich gehandhabt. Man muss sich sehr reinarbeiten, wenn zum Beispiel bei Facebook die Meldung auch da landen soll, wo man sie haben will.“

Fragen ohne Umwege

Jede Partei für den Bundestag unterhält eine Facebook-Seite. Die aktuellen politischen Themen werden beworben und für die Wähler werden Veranstaltungen und Besuche angekündigt. Die Plattformen geben den Bürgern auch Gelegenheit, ohne Umwege über Pressestellen Fragen an die Kandidaten zu stellen und ihre Meinung auszudrücken.

Zielgerichtete Plattform

Speziell für die Vorstellung von Abgeordneten existiert die Seite abgeordnetenwatch.de. Dort haben die Kandidaten ein Profil, dass sie per Steckbrief vorstellt. Der Clou an abgeordnetenwatch: Nutzer können Fragen zu ihrer Politik an die Kandidaten stellen. Die Aktivität ist auf manchen Profilen rege, auf anderen ist nichts los. Siegfried Ermer (AfD) scheint ausschliesslich diese Portal zu nutzen und gibt umfangreiche Antworten auf die Fragen der Wähler. Auch Stefan Müller ist auf abgeordnetenwatch.de aktiv.

Homepage erwünscht

Die Homepages der Kandidaten sind thematisch durchmischt: einige stellen nur kurz die Kandidaten vor, beschränken sich auf den Namen und ein Foto. Manche gestalten sie mit einem politischen Blog und geben persönliche Stellungnahmen ab, wie zum Beispiel Beate Haskic (BP).

Eigener Stil

Um die Parteimitglieder zu unterstützen, gibt die CSU einen Leitfaden für die ehrenamtliche Aktiven heraus, der bei der Nutzung der Social Web-Plattformen helfen soll. „Ich finde so ein Angebot sinnvoll und richtig. Letztlich muss aber jeder sein eigenes Profil finden.“, so Müller. Bündnis 90/die Grünen nutzen ihr Wahlprogramm als Hilfestellung im Netz.

Das Social Web ist keine Parteikundgebung und auch kein Wahlplakat. Müller: Die Nachrichten sollten kurz und pointiert sein, dabei politische Zusammenhänge berücksichtigen und auf vertiefende Information verlinken.

Diskutieren: Twitter

Als schnelles Medium für kurze Nachrichten ist Twitter wichtig. Dort können die Kandidaten, ohne Umwege über Likes und Freundschaften wie bei Facebook, angesprochen und Diskussionen geführt werden.

Auf Twitter werden vermehrt politische Diskussionen geführt. Der Fokus liegt hier auf Menschen, die Details von Wahlprogrammen gezielt diskutieren wollen und informiert sind.

„Doch Diskussion lebt von Rede und Gegenrede, wozu auch Gestik und Mimik gehören,“ meint Müller. „Im Social Web ist Diskussion leider nicht in dieser Weise möglich. Auch asynchrone Kommunikation, wie sie im Social Web stattfindet, macht das nicht wett.“

Kaum im Internet aktiv sind Hans-Joachim Ehnes (Die Linke), Axel Michaelis (NPD) und Andreas Waas (Piraten). Michaelis nutz ausschließlich abgeordnetenwatch.de und das nur wenig. Waas und Ehnes sind mit einer kurzen Vorstellung auf der Homepage ihrer Parteien vertreten.

Dieser Artikel ist für die Erlanger Nachrichten im August 2013 verfasst worden.

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