Bücherausleihe funktioniert en passant

Freitag, 6. September 2013 |
Veröffentlicht in Stadt Erlangen

580 Wörter

Die Fußgängerbibliothek in der Erlanger Innenstadt kommt gut an – Geben und Nehmen

 

ERLANGEN – In der Fußgängerzone vor der Tür von Peek & Cloppenburg steht ein Bücherschrank zur Selbstbedienung. Vom Inhalt darf man sich überraschen lassen.

Reges Kommen und Gehen, Geben und Nehmen herrscht am Bücherschrank in der Nürnberger Straße. Die „Kleinstbibliothek“ ist ständiger Anlaufpunkt für Erlanger, die schmökern wollen. Nora Planert (66) ist davon angetan: „Ich kenne das aus dem Norden der Republik und habe lange bedauert, dass es hier sowas nicht gibt. Es ist ganz spannend, mal reinzuschauen. Ich finde das super.“

Der Schrank ist bunt durchmischt: ob Abenteuerroman „Die Schatzinsel“, Krimi „Codename Curveball“ oder Sachbuch „Literaturwissenschaft“, alles ist vertreten. Karin Schaufuß (72): „Ich nutze den Schrank oft, leihe mir Bücher aus und stelle auch welche hinein. Gerne nehme ich historische Romane und alles über’s Ausland.“

Der Bücherschrank in der Fußgängerzone Erlangens

Hier werden Bücher im Vorbeigehen getauscht

Seit dem Herbst 2012 stehen zwei Bücherregale in der Fußgängerzone in der Hauptstraße und am E-Werk. Der Stahlschrank mit Glastüren auf beiden Seiten nimmt die Bücher der Bürger auf, und wer Lust hat, nimmt sich welche mit nach Hause. Seine etwas rostigen Außenflächen und die großen Glastüren lassen ihn zugleich modern und geschichtsträchtig aussehen.

System wird erklärt

Das Projekt knüpft an die urbane Kultur dieser Bücherschränke an, die ihren ersten Vertreter in Berlin hat. Das Tauschbuch-Regal wurde vom Lions Club Erlangen aufgestellt und vom Projektfonds „Aktive Zentren“ gefördert. Eine Infotafel erklärt das System: Jeder darf mitbringen und mitnehmen, was ihm gefällt. Das Ganze ist natürlich kostenlos. Durch die Platzierung in der Fußgängerzone sollen speziell jüngere Leser angesprochen werden. Die sind hier auch zu finden: „Die Lage in der Fußgängerzone ist schick. Der Schrank fällt ins Auge“, so Florian Deinhard (27). „Ich leihe mir gelegentlich etwas aus. Dabei suche ich nach klassischer Literatur.“

Ein Jugendlicher von etwa 20 Jahren nimmt auf der Bank gegenüber Platz, zieht sein eigenes Buch aus der Tasche und liest. „Ich bekomme hier Bücher, die man sonst nicht kriegt“, sagt eine Dame. „Ich schaue nach älteren Büchern und finde auch öfter welche.“
Die Büchersäule wird von allen Altersgruppen und auch Familien angesteuert. Für die Kleinen gibt es auch einen Teil mit Kinderliteratur.

„Die Bücher sind von guter Qualität. Ich finde das Prinzip sehr spannend. Manchmal muss ich mich zwingen, einfach vorbeizugehen“, sagt Claudia Bischoff (51). Bischoff stellt ein paar Bücher hinein. Trotz des lauen Wetters hat der Schrank die Aufmerksamkeit der Passanten. Viele lesen die Infotafel und schauen über die Titel. Einige greifen sich ein Buch und lesen Probe. Ein älterer Herr gibt laufend Bücher ab: „Ich kaufe im Internet und stelle die Bücher hier ein, wenn ich sie gelesen habe.“

Dieser Artikel ist in der Printausgabe der Erlanger Nachrichten vom 30.08.2013 erschienen.

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