Was Liebe und Glücksspiel verbindet

Freitag, 7. August 2015 |
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Artikelserie – Ted sieht die Welt in Metaphern – Teil III

Coverbild der Artikelserie Ted sieht die Welt in Metaphern

In Episode 1 stellte Ted sich Liebe als Reise vor. Doch Liebe kann man sich auch ganz anders vorstellen, wie zum Beispiel Barney es macht. In welchen Bereich der täglichen Erfahrung packt Teds guter Kumpel und Aufreißer Barney die Liebe? In das Glücksspiel!

"Hasse das Spiel und nicht den Spieler, Lily."

Season 1 Episode 7 14:23

Ted sieht es ganz genauso:

"Es ist nur ein Spiel."

Season 1 Episode 2 02:39

"Das ist so wahrscheinlich wie eine Niete im Lotto."

Season 1 Episode 4 18:04

Im Leben geht es immer darum, etwas dazu zu gewinnen, aber man kann auch verlieren. In dieser strukturellen Metapher trägt man dem Schicksal Rechnung. Denn wenn man Glücksspiel spielt, hat man immer nur eine Chance, einen Preis zu gewinnen. Genau so sieht man es in der Liebe: Es gibt nur eine Chance auf den Gewinn. Wovon diese abhängt und wie man die Chance vergrößern kann, das versucht man rauszufinden. Alles was man tut ist wie ein Wurf der Würfel, wie ein Lottoticket kaufen. Handlungen sind wie Ziehen eines Loses. Die möglichen Konsequenzen sieht man als gewinnen oder verlieren an. Die Metapher könnte darauf begründet sein, dass die Erfahrung des Glücksspiel spielens und die der Suche nach Liebe sich ähnlich anfühlen[1]. Ungewissheit, Zufall, den Fisch im großen Teich finden, der zu einem passt. Wenn es passiert, ist das Schicksal. Genau so betrachtet Ted sein Leben: er ist felsenfest überzeugt, die Frau seines Lebens zu finden. Und solange er sie noch nicht gefunden hat, spielt er im Spiel der Liebe.

Ted sieht Liebe fortwährend als Glücksspiel

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Im ersten Beispiel spricht Ted darüber, wie er an Robin herankommen will, damit sie seine feste Freundin wird. Ted muss geduldig sein und abwarten, bis er einen guten Spielzug machen kann. Genauso wie ein Spieler. Ted geht gerne planhaft vor, denkt über alles nach. So macht er es auch in der Liebe. Aber er muss feststellen, dass die Liebe nicht nach seinem Plan gespielt wird. Ted hat einen Satz Regeln im Daten, denen er folgt. Doch er konnte damit seine Frau noch nicht finden. Er ist ein schlechter Spieler der Spiels Liebe. Schliesslich kann er 9 Staffeln der Serie mit seiner Suche nach der Einen füllen.

Auch die Beziehung zu seiner Freundin Natalie betrachtet Ted als Glücksspiel. Er ist sich sicher, dass Natalie nicht 'Die Eine' für ihn ist. Und er sagt es ihr so:

"Das ist so wahrscheinlich wie eine Niete im Lotto."

Season 1 Episode 4 18:04

Lotto ist ein Glücksspiel und es wird von Ted zum Beschreiben von Liebe benutzt. Die Metapher ist: LIEBE IST GLÜCKSSPIEL. Ted, der in der Lotterie der Liebe mitgespielt hat, zieht die Niete Natalie. Die Konsequenz ist, dass er verloren hat. Im englischen Original sagt er noch deutlicher: You lost the lottery. Ted wäre der Gewinn, Natalie die Spielerin, die verliert. Der Vergleich klingt für Natalie sehr arrogant, Ted sieht die Erklärung durch das Schicksal als harmlos. Er bekommt von der verletzten Natalie einen verdienten Kampfsport-Tritt vor die Brust.

Barney mit verdrehter Logik

Barney ist sich in der Serie How I Met Your Mother nie um eine verdrehte, komische Theorie zu schade. Es macht ihn lustig, es macht ihn unterhaltsam. Er ist ein so merkwürdiger Vogel, der seinen Tag mit viel Quatsch verbringt. Und so ist es auch im ersten Beispiel. Lily ist empört, dass Ted eine verheiratete Frau angemacht hat. Dabei kommt heraus, das Barney am selben Tag ebenfalls eine verheiratete Frau angemacht hat. Auf Lilys aufgebrachte Miene reagiert er mit

"Hasse das Spiel und nicht den Spieler, Lily."

Season 1 Episode 7 14:23

Er schiebt die Schuld an seiner unmoralischen Anmache dem Spiel des Datens in die Schuhe. Das Spiel ist hart und schwer zu durchschauen, also ist es nur gerecht, wenn er die Schwächen ausnutzt. Er bringt damit wieder einmal seine verdrehten und daher komischen Weltauffassungen hervor, die ihn zu einer lustigen Figur machen. Er als Spieler des Glücksspiels nutzt das Spiel zu seinem Vorteil und sieht daran nichts Verkehrtes. In Spielen betrügt man nunmal auch, wenn man kann. Das ist für ihn völlig in Ordnung.

Das Glücksspiel ist ein weiteres zentrales Konzept in Ted Mosbys Weltsicht, genauso wie in der von Barney Stinson. Sie verstehen die Liebe wie ein Glücksspiel, weil sie es immer vergleichbar dazu fanden. Ted geht im Spielen genau nach Plan vor, Barney bricht die Regeln. Das macht sie aus und auch was sie später im Leben erwartet.

Quellen

[1]Lakoff, George and Mark Johnson. 2003. Metaphors we live by. Chicago – London: University of Chicago Press.

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