Verstehen, was nicht gesagt wurde: Pragmatik

Samstag, 17. Oktober 2015 |
Veröffentlicht in Pragmatik

884 Wörter

Die Pragmatik als Hilfe beim Verstehen

Man möchte sich dem andern mitteilen. Aber alles sagen, was wichtig ist? Was ein Aufwand. Information rüberbringen, viel, in kurzer Zeit. Schliesslich will man sich nicht totquatschen. Genial ist: genau so sparsam ist Sprache organisiert. Weil man Wörtern noch mehr Bedeutung mitgeben kann, als sie normal haben.

Das ist der Ansatzpunkt der Pragmatik. In der neuen Artikelserie Ted sieht die Welt in Metaphern werden konventionelle Metaphern nach ihrer Bedeutung im Kontext untersucht. Diese Art der Sprachanalyse bringt Erkenntnisse darüber, wie Sprache funktioniert.

In der Artikelserie wende ich einen sehr kleinen Teil des Wissens in diesem Forschungsbereich an. Deshalb kann ich viele Sachen ermitteln, die in der Sprache versteckt sind, aber mit kommuniziert werden. Denn oft steht wichtige Information dahinter, die man aber nicht zu sagen braucht. Sie ist implizit.

Die Pragmatik ist die Betrachtung von Sprachgebrauch, um Sprache zu beschreiben. Denn wenn Extrainformation beim normalen Sprechen übermittelt wird, dann will man auch wissen, was der Gegenüber da sagt. Was im Kontext mitschwingt, aber nicht ausgesprochen wird. Ein tolles Beispiel für Pragmatik in Aktion ist dieses:

Zwei oder mehr Personen sitzen in einem Raum. Das Fenster ist auf und deshalb ist es kalt. Die Person, der kalt ist, möchte, dass das Fenster geschlossen wird. Doch wie stellt sie das an? Entweder sie schliesst einfach das Fenster, oder sie sagt zu einer anderen Person:
"Ist dir auch so kalt?"

Was wird der andere jetzt tun? Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten. Nehmen wir an, die Person möchte der ersten Person es angenehmer bereiten. Dann wird sie aus dem Satz verstehen:
"Kannst du bitte das Fenster zumachen?"

Da war die Pragmatik am Werk. Ganz viele einzelne Grundsätze des Sprechens wurden hier eingehalten, zum Beispiel auch Höflichkeit.
Der erste Sprecher hat hier absichtlich Extrainformation übertragen. Das ist eine Vorraussetzung in der Pragmatik. Gleichzeitig ging jedoch die Aufforderung "Schliess bitte das Fenster" nicht aus der Wortbedeutung hervor. Es hätte auch eine einfache Feststellung sein können: es ist kalt hier. Aber das Fenster steht offen, es zu schließen macht es besser. Also ist es eine Aufforderung an die andere Person.

Wichtig ist hierbei: Bedeutung ist nicht ein fixes Stück Wissen, dass immer gleich ist. Bedeutung setzt sich aus vielen Komponenten zusammen. Der Träger der Bedeutung ist immer das Wort, aber je mehr sich andere Komponenten auswirken, desto mehr spielt die Wortbedeutung eine untergeordnete Rolle.

Umfassende Forschung über Sprache

In der Artikelserie Ted sieht die Welt in Metaphern sind sehr viele Beispiele für die konzeptionellen Metaphern zu finden. Doch Pragmatik hat noch viele Bereiche mehr im Blickfeld: einer davon ist die Deixis. Sie beschäftigt sich damit, wie Sprache den Kontext in die Grammatik eingebunden hat und wie man ihn versteht. Ein Beispiel:

Am Strand findet man eine Flaschenpost. Darauf steht: "Triff mich hier in einer Woche mit einem Stock, etwa so groß."

Wie soll man diesen Satz verstehen, ohne den Kontext des Gesprächspartners zu haben, also ihn zu sehen? Denn wo ist "hier"? Am Strand? Und wann wurde die Nachricht gesendet, woher soll ich also wissen, wann "nächste Woche" ist? Am schlimmsten ist die Sache mit dem Stock. Wie groß hat er angezeigt?

Das sind Beispiele der Deixis, also der Ebene der Sprache. In die Sprache werden Dinge der Realität einbezogen, die nur in der Situation selbst Sinn ergeben. Wenn man den Zeitpunkt des Schreibens der Flaschenpost kennt, weiß man, wann "in einer Woche" ist. Und wie groß der gezeigte Stock war. In die Grammatik sind Wörter einbezogen, die bedeutungsleer sind, aber auf echte weltliche Dinge verweisen. Kontext, Kontext, Kontext. Ohne geht’s nicht.

Ein paar weitere Themen der Pragmatik sind Implikaturen: grundlegende Regeln, wie Konversation zu funktionieren hat. Sonst versteht keiner was.

Außerdem gibt es auch noch Präsupposition: implizite Vorraussetzungen, damit ein Satz als wahr oder falsch benannt werden kann. Es geht also um logische Schlussfolgerungen aus Aussagen, die die Wahrheit oder Falschheit von anderen Aussagen beeinflussen. Beispiel: Bäume sind aus Holz. Der Ahorn ist ein Baum. Schlussfolgerung: er ist aus Holz.

Und Sprechakte sind besonders bedeutend in der Pragmatik. Dabei wird davon ausgegangen, dass unter bestimmten Bedingungen Dinge durch das schlichte Sagen wahr werden. Zum Beispiel ist man verheiratet, wenn der Priester oder Standesbeamte auf der Hochzeit spricht: Ich erkläre euch zu Mann und Frau. Er verändert mit dem Sprechen die Realität.

Ein Einblick in die Pragmatik

In diesem Artikel habe ich einen kleinen Überblick über die Themen der Pragmatik zusammengetragen. Im Gesamten sind sie sehr nützlich, um Sprache zu untersuchen. Dabei immer im Blick habend, wie Sprache eigentlich funktionieren kann. So viele Regeln, die jeder kennt und benutzt. Und das bei 110 Millionen Sprechern des Deutschen, Millionen von Sprechern des Englischen und insgesamt 7 Milliarden Menschen. Deren Sprachen grundlegend doch den gleichen Regeln folgen. Und dazu nützt die Pragmatik: um den andern zu verstehen, in dem, was er wörtlich nicht sagt.

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