Wer eigentlich im Wohnzimmer wohnt – Exoten

Mittwoch, 15. Oktober 2014 |
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593 Wörter

In deutschen Wohnzimmern dösen sie im Schaukasten unter der Wärmelampe. Man braucht mit ihnen nicht spazieren gehen, sie brauchen keine Weide und sie bieten einen tollen Anblick: Reptilien und Exoten sind Deutschlands Wohnzimmerbewohner schlechthin. Menschen mit dem Hang zur Exotik haben schuppige, haarige oder umherschlängelnde Mitbewohner. Seltener, bunter, giftiger muss es sein.

Der Trend in deutschen Wohnzimmern geht zu einem Tier aus ganz anderen klimatischen Verhältnissen. Etwa 64000 Reptilien und Exoten werden jedes Jahr aus dem Ausland importiert und in einem künstlichen Habitat gehalten. Sie sind keine Kuscheltiere, keine aktiven Teilhaber am Familienleben (wie Hund und Katze) und sie können ohne den Menschen nicht überleben. Doch heute gilt: ich bin so toll, wie mein Tier es ist.

Ein exotisches Tier hat hohe Ansprüche

Die Haltung von Echsen und Schlangen zeigt die Begeisterung der Deutschen für die Natur und ihre Lebewesen. Der Terrarianer (Mensch mit Terrarium, und nicht etwa ein Außerirdischer) ist sehr besorgt um seine Tiere und gibt Schlangen, Eidechsen und Spinnen mit recht großem Aufwand all das, was sie zum Leben brauchen. Echsen sind im Regelfall auf hohe UV-Strahlung angewiesen, um lebenswichtige Vitamine zu bilden. Ein Terrarium ist oft stark verkabelt: Das Licht, die Heizung und auch die Benebelungsanlage für die Luftfeuchtigkeit sollen dem Tier alles bieten, was die Natur auch hergibt. Für Reptilien geht der Trend zum OSB-Terrarium (gepresste Holzspanplatten), die wasserdicht versiegelt und mit Belüftung, Bepflanzung und möglichst „natürlicher“ Rückwand als Versteck und Klettermöglichkeit ausgestattet werden sollen. Die Tiere fressen meist Insekten oder Nager. Der Aufwand für die künstliche Herstellung eines artgerechten Lebensraums und Lebens (denn das ist das Ziel in der Terraristik) ist enorm.

Zwischen Überforderung und Kontakt zur Natur

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Doch oft ist der Halter mit dem exotischen Tier überfordert. Neben der erhöhten Stromrechnung ist die Terraristik mit vielen Details verbunden, die die Entnahme der Tiere aus ihrem natürlichen Lebensraum mitbringt. Artgerechte Haltung ist reich an Stolperfallen, wenn man Ernährung und Witterungsbedingungen herstellen muss. Deshalb wird von Tierschützern ein Verbot der Exotenhaltung gefordert, die auch jede andere Form der Tierhaltung ihrer Spionage aussetzen. Falsche Haltung führt zu Fehlbildungen der Gliedmaßen, Unterernährung oder Verletzungen durch Revierkämpfe. Doch Terraristik schafft auch Vorteile:

Kinder und auch Erwachsene lernen die besonderen Bedürfnisse von exotischen Tieren wie Reptilien kennen und respektieren. In dem Versuch, gute Lebensbedingungen für ihr Haustier zu schaffen, lernen sie über lebenswichtige Dinge fremder Tierarten und die Schönheit der Natur. Der Kontakt mit der Natur ist (zumindest in städtischen Gebieten) sehr gering oder nicht vorhanden. Durch naturnahe Terrarienhaltung können Kinder einen Eindruck von der Natur erhalten, und von einem gewissenhaften Terrarianer Einsicht in die Natur. Tragen sie Sorge um ein Tier, ist damit eine Verantwortung verbunden, die ihnen Selbstständigkeit geben kann. Sie verfolgen ein konstruktives Hobby, welches in Zeiten von Smartphones ausnahmsweise kein Auf-den-Bildschirm-starren beinhaltet. Der Bau von Terrarienanlagen erfordert außerdem etwas Geschicklichkeit und handwerkliche Fähigkeiten, sowie etwas Kreativität bei der Gestaltung ist gefragt.

Exotische Lebewesen fördern Fürsorglichkeit, Gewissen und Wissen über Natur. Die Bemühungen um die Tiere sind bei vielen Haltern groß. Und dabei sehen sie im Wohnzimmer auch noch interessant aus.

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