Ich werd‘ wohl nie verstehen, was am Zocken so toll ist

Donnerstag, 18. Oktober 2012 |
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Mein letzter Artikel zum Spiel Diablo hat genau das Feedback erhalten. Ich hab natürlich etwas geanwortet wie: „Weil’s geil ist.“ Da ich beweisen wollte, dass es einen guten Grund für Zocken gibt, hab ich viel über die Aussage nachgedacht. Zwar kann ich nicht direkt sagen, dass ich einen einleuchtenden und „guten“ Grund für das Computerspielen gefunden habe, aber ich werde versuchen, Klarheit reinzubringen. Zu mir selbst, ich spiele gerne mal, ich kenne den Suchtfaktor von bestimmten Spielen und Spielarten, bin also voreingenommen und ich kann mir vorstellen, in welche Richtung das hier geht.

Ich kenne viele, die viel Wert darauf legen, mit anderen zusammen spielen zu können. Anfangen tut es bei der Auswahl der Plattform, d.h. Konsole wie Playstation und xBox für Co-op Spiele meist zuhause oder auch im Internet. Die xBox von Microsoft ist da wohl die bekannteste. Sie unterstützt außerdem auch Systeme wie Kinect, die zur Bewegungserfassung dienen und man so vor dem Fernseher hampelnd sein Spiel spielt. Das ist natürlich schon mal was anderes als das bekannte „Vorm-Bildschirm-kleben“. Allerdings benutzt nur ein kleiner Teil der Gamer diese Geräte.

Eine Konsole unterstützt in den meisten Fällen das Anschließen von mehreren Controllern gleichzeitig, auch die Spiele sind für mehrere Personen ausgelegt. Eine Konsole ist also zumindest vom Konzept her eine Gruppenbeschäftigung. In der Praxis wird sie dennoch von nur einem Spieler gleichzeitig benutzt.

Ich selbst habe mich von einem Konsolenspieler zum PC-Spieler entwickelt. PC-spielen ist im Regelfall ausschließlich für Einzelspieler oder online gedacht. Die wahrscheinlich beliebtesten Spieltypen sind Ego Shooter, Strategiespiele und Rollenspiele.

Die Faszination eines Ego Shooters ist ganz klar: viel denken ist nicht nötig. Die Spiele basieren mehr darauf, Wege auf Karten einzuüben, sich auf das Sehen und Hören zu verlassen und schnell zu reagieren. Ego Shooter beschleunigen das Treffen von Entscheidungen auch im echten Leben, dass ist wissenschaftlich erwiesen.

Fantasy Shooter Borderlands Gaming

Fantasy Ego Shooter auf einer Alien-Welt: Borderlands 2

Zwar haben Rollenspiele keinen Einfluss auf das Reaktionsvermögen, aber es gibt einen viel eindeutigeren Effekt. Wie der Name schon sagt nimmt man eine Rolle in einer fiktiven Gesellschaft an und kann diese (im Rahmen des Spiels) ausbauen. Nun ist ein Spiel meist sehr beschränkt in seinen Wahlmöglichkeiten, d.h. die jeweiligen Entwicklungswege sind dramatisch und klischeehaft überspitzt. Anstatt dass ein Kind oder Jugendlicher selbst mit seinen Freunden Regeln und Spielweise abstimmen muss (wie er es in einem Spiel draußen tun würde) nimmt er vorgefertigte Rollen an. Dadurch kann er den Entscheidungsprozess nicht selbst vollziehen und deshalb keinen Schritt zur eigenen Persönlichkeitsentwicklung tun.

Worauf es bei einem Computerspiel und auch sonst bei jedem Spiel ankommt, ist natürlich das Spielerlebnis. Ich als jemand der Spiele bevorzugt, die den Spieler mit jedweder Art von „übernatürlicher“ Kraft ausstatten, habe natürlich darin meine Motivation zu spielen. Der Spieler kann Dinge tun, die der Alltag nicht erlaubt. Er kann mit Waffen Leute über den Haufen schießen wie ihm beliebt und führt damit in gewisser Weise eine selbstzerstörerische Tat aus. Als Anhänger des Kapitalismus sehe ich da eines klar: Spielen ist Zeitverschwendung. Und diese Zeitverschwendung ist natürlich geplant. In der Demokratie und dem Kapitalismus ist es nötig, Menschen beschäftigt zu halten. Halte die Leute bei der Stange und sie machen keine Dummheiten. Denn wer mal sein Gehirn zum Laufen bringt sollte feststellen, dass spielen kein Produkt zur Folge hat, dass als wertvoller Gewinn betrachtet werden kann, weder geistig noch physisch. Alles bloß Illusion ohne Ziel. Natürlich braucht ein gutes Spiel viel Zeit, viel Energie im Nachdenken und auch Konzentration. Zeit, Energie und Konzentration, die man doch auch gut für andere Dinge verwenden kann. Wie sich bilden. Wie sich mit anderen Menschen unterhalten. Wie Lösungen für Probleme im realen Leben zu finden. Doch das Gesellschaftssystem scheint diese Prozesse zu fürchten. Warum werden Dinge zum Zeitvertreib produziert? Warum glauben wir überhaupt, das wir so viel Zeit haben, uns die Zeit zu vertreiben?

Das Gehirn ist süchtig nach Information. Denn das hält die Menschen nachts vom schlafen ab, die Verarbeitung eines Informationsstroms, der nicht aufzuhören scheint. Selbst wenn man keine Information mehr aufnimmt, nimmt die Verarbeitung anderer Information viel Zeit in Anspruch. Zeit, die unnötig vergeudet ist. Ich nehme im Spiel unnötige Information auf, die ich verarbeiten muss. Beides kostet Zeit und Energie; Zeit und Energie, die man nicht hat. Wie viel produktiver könnte ein Mensch sein, wenn er seine Energie anders, auf das Erschaffen von etwas richten würde?

Allerdings bin ich immer ein Gegner des Erschaffens gewesen. Zu welchem Zweck, frage ich, soll ich denn etwas erschaffen? Ich habe doch Unterhaltung. Spass. Ich habe schlicht etwas zu tun. Wieso also etwas erschaffen? Ich habe nie eine Antwort auf diese Frage finden können. Nur um daraufhin festzustellen, etwas erschaffen macht glücklich. Etwas schaffen macht Spass. Energie in Produkte des „echten“ Lebens zu stecken ist mit Glück verbunden. Wieso ist das so? Ich weiß es nicht. Ich bin mir sicher, dass ein paar Wissenschaftler mir darauf eine Antwort geben können. Die braucht man aber garnicht.

Spiele sind Zeitverschwendung, Ablenkung. Bis man irgendwann vor der Kiste sitzt, hinein starrt und nichts mehr denkt. Sich leer fühlt. Das Gefühl hat, da ist nichts drin. Dann hat man festgestellt, man macht etwas falsch. Denn man bekommt nichts zurück, ein Computer gibt nichts zurück, was der Mensch begreifen kann. Jeder Gegenstand in einem Spiel, jede Chatnachricht in einem Forum, jeder Einkauf auf eBay ist weg. Was da weg ist, ist das dazugehörende Gefühl. Es ist alles bloß eine halbe Sache, ohne Gefühl. Denn das Gehirn versteht wohl das Wesen des Computers nicht. Versteht nicht den Bezug von Dingen der echten Welt und ihren Kopien in der Maschine. Doch Kopie ist sicher das falsche Wort, es ist mehr ein Plagiat. Irgendetwas ist verfälscht. So verhält es sich dann auch mit dem Spiel, der erzeugte Lerneffekt ist zwar echt, doch ohne das dazugehörige Gefühl. Und das ist es, was den Menschen unglücklich macht, was die Maschine einen selbst enttäuschen lässt. Und bevor wir nicht unsere Emotionen komplett verstehen, werden wir nie glücklich mit einem Computer sein. Und das ist gut so.

Dennoch scheinen Menschen ihre Erfüllung in Spielen und Computern zu finden. Ich sagte einmal einem Freund von mir, wie sinnlos die ganze Begeisterung um Erfolge im Spiel Diablo sind. Er antwortete: „Hier habe ich etwas zu erreichen. Ich komme jeden Tag online, um mich mit meinen Freunden zu unterhalten und zu farmen (Spielerslang: Items sammeln). Du musst hier perfekt werden, Junge. Das ist wird mich über Jahre beschäftigen. Was willst du denn noch?“ Ich war zwar diese Art von Sprüchen von ihm gewöhnt, aber trotzdem etwas schockiert. Er ist einer der ersten Menschen, die ich als intensiven Gamer kennengelernt habe. Da war schon jahrelange Spielerfahrung da, eh ich selbst überhaupt wirklich angefangen habe zu spielen. Es ist allerdings so, dass er die Zeit für diese Spiele hat, denn er steht schon im Berufsleben, muss nicht mehr lernen oder sich irgendwie weiterbilden.Was dem Spielen allerdings nicht mehr Sinn oder Rechtfertigung gibt. Aber seine Arbeitszeiten zwingen ihn geradezu zu dieser einen Beschäftigung, denn Andere mitten in der Nacht zu treffen ist nicht so einfach. Aufgrund dieser Aussage kann man wohl sagen, dass Spielen für Menschen trotzdem so erfüllend ist, dass sie mit dem Produkt zufrieden sind. Was ja nun auch kein Problem ist.

Im Endeffekt spielt es sich am besten mit anderen zusammen. Also ist Computer spielen ein Zeitvertreib, bei dem man gleichzeitig etwas anderes tun kann. Was der Grund dafür ist, dass es so viel Spass macht. Man kann Musik hören oder sich mit seinen Freunden unterhalten. Am meisten Spass macht es sowieso mit Leuten zusammen. Also doch das gute alte Gemeinschaftsgefühl (etwas „optimiert“ natürlich), was einen da beschäftigt. Viel Spass beim slashen!

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