Mit Saxophon und Akkordeon Richtung Metal

Sonntag, 28. Oktober 2012 |
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710 Wörter

Varg’s neues Album: Schoßhündchen oder Leitwolf?

Die schwarzgekleideten Massen versammeln sich in Leipzig im Hellraiser: Das Heidenfest am 26.10.2012. Eine Zusammenstellung von Bands rund um das Pagan-Genre, darunter Varg, Korpiklaani und Wintersun. Sowohl Varg als auch Wintersun präsentieren auf der Tour ihre neu erschienenen Alben „Guten Tag“ (Release: 05.10.2012) und „Time 1“ (Release: 19.10.2012).

Die Kritik ist groß: Varg als Verfechter seines „Wolfskults“, ein selbstgegebenes Pagan-Image das die Band und seine Fans als Wolfsrudel bezeichnet und in welchem die Band sich mit Inhalten wie Kriegen und Glaube heidnischer Völker wie zum Beispiel Wikinger, Kelten und Germanen beschäftigt, hat mit dem neuen Album einen etwas anderen Kurs eingeschlagen und teilweise den heidnischen Wurzeln abgeschworen. Fans der alten Varg finden den alten Stil hier zwar wieder, empfinden Varg aber doch mit dem neuen Album als Verräter ihrer Wurzeln und nennen sie voller Verachtung auch mal „Frei.Wild“ (Eine Tiroler Deutschrockband).

Immerhin sind die Melodiebögen Vargs im neuen Werk erhalten geblieben. Die Texte behandeln teilweise Themen im Pagan-Stil ( „Frei wie der Wind“, „Angriff“, „Blut und Feuer“) aber auch Kirche, Selbsttreue („Wieder mal verloren“), Verleumdung („Anti“) und das Ende der Welt („Apokalypse“) was vielleicht als Anspielung auf das Ende des Maya-Kalenders gedeutet werden kann. Denn schliesslich ist nunmal klar, dass uns noch dieses Jahr das Licht ausgeknipst wird, bestimmt von einer im Himmel herumfliegenden Macht, die Feuer und Verderben auf die Erde sendet. Wenn mich hier eine unsichtbare Macht hinwegraffen sollte, dann wird es mein W-Lan sein und nichts anderes.

Die Show beginnt

Den Anfang machten Krampus. Ich war allerdings mit meinen Freunden noch nicht vor Ort, um hier einen Eindruck abzugeben. Trollfest als zweiter im Line up haben wir allerdings gesehen, und sie haben eine nette Show abgeliefert, mit einer netten Instrumentenauswahl wie ein Akkordeon, ein Saxophon und Jesus war auch da. Nun gut, das stimmt so nicht, ein bärtiger Kerl im weißen Gewand spielte die Violine, und dass sehr gut. Das Publikum war in Stimmung und tanzte ausgelassen zu den Melodien. Korpiklaani ließen ihre Partybrecher wie „Vodka“ aus und überzeugten damit auch überhaupt nicht.

Varg schmissen den Showmotor mit ihrem Begrüßungstrack des neuen Albums an: Frontmann Freki brüllte ein „Guten Tag!“ in die Menge. Ganz im Stile der Band, mit rot-schwarzen Streifen im Gesicht, ließ das Publikum sich gehen und Varg heizten die Stimmung passend zur location (Hellraiser: dt.Radaubruder) auf. Die Meute war im Moshpit zugange dass die Fetzen flogen.

Mit einer Mischung von Songs von den Alben Blutaar, Wolfskult und „Guten Tag“ brachten Varg die Menge durch ein abwechslungsreiches und stimmungsvolles Programm und bedienten sowohl ihr Wolfsrudel, die Kirche und auch das blutrünstige Kriegergemüt mit ihren Songtexten, so dass alle auf ihre Kosten kamen. Der Leitwolf ist also wieder da!

Varg auf dem Heidenfest in Leipzig

Varg auf dem Heidenfest in LeipzigVarg gaben auf dem Heidenfest ordentlich auf die Ohren

Die Wintersonne bringt heute niemanden zum Schmelzen

Nach einer doch sehr langen Umbaupause war es an Wintersun die Show zu schmeissen. Diesmal hielt ich mich etwas im Hintergrund und hörte mir schlicht die Musik an.

Wintersun spielen sehr lange Tracks und machen netten Power Metal. Abseits stehend konnte man der Band angenehm zuhören, ein oder zwei brachiale Songs waren dabei. Nur die Gesamtleistung von Wintersun war einerseits zu kurz, andererseits war die Songauswahl schwach.

Die Zuschauer klebten an ihren Stehplätzen, keine große Bewegung im Publikum.

Kein Headbangen, kein Moshen. Ist das hier nun ein Metalkonzert oder nicht?

Nach einer kurzen Pause, deren Nutzen niemand bekannt ist, da schließlich erst 5 Songs gelaufen waren, kamen Wintersun erneut auf die Bühne und schmetterten noch etwas in ihre Gitarren, wenn auch nur für weitere zwei Songs. Ich war zufrieden, Varg hatte eine super Performance hingelegt, doch die Wintersun-Fans fühlten sich um ihr Geld betrogen. Die Gitarren der Finnen erlagen des öfteren der Kraft des Schlagzeugs und damit verliert Wintersun natürlich viel von seiner Power.

Ein Fan wäre nach eigener Aussage „ am liebsten auf die Bühne gesprungen und hätte die von ihren Gitarren weggetreten und hätte gesagt „So nicht, Jungs! So nicht“.

Alles in allem hat der Paganabend überzeugt, wenn man denn nicht viel Wert auf Wintersun gelegt hat. Gute Bands sind eben nicht bei jedem Auftritt gleich gut.

In diesem Sinne: WOOOOOOTAAAAAN!

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