Metal-Wütige stürmen das 2000-Seelen-Dorf

Montag, 4. August 2014 |
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Das Wacken Open Air Anfang August zog erneut Metal Fans aus aller Welt an

Das Dorf Wacken war im 25. Jahr in Folge der Ort des Metal -Festivals, das die (nach offiziellen Zahlen) 75.000 Fans zum mehrtägigen Zelten für Konzerte auf den Ackern Schleswig-Holsteins empfangen hat. Mit einem Drittel internationaler Besucher und 135 Bands von fast überall her – bis auf Amerika.

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Behemoth am Samstag auf der Black Stage

Das Festival hatte in diesem Jahr dank gutem Wetter einiges zu bieten, wie die deutsche Band Accept als Headliner. Sie gaben den Zuschauern Metal, laut und kraftvoll. Amon Amarth füllten mit ihrem Auftritt am Samstagabend auf der True Metal Stage den Hauptbereich des Konzerts mit Fans aus. Ihr Wickinger-Image spiegelte sich auch in der Ausstattung der Bühne mit zwei riesigen Drachen wider, die von den Musikern hin und wieder zum erhöhten Stehen benutzt wurden und Nebel auf die Bühne spuckten. Die Menge genoß ihre Songs und viele Crowdsurfer ließen sich durch die Zuschauer reichen. Eine gute Show mit passenden Feuerwerk-Effekten und schöner Performance.

Internationales Treffen von Fans

Große Namen wie Behemoth, Hammerfall und Heaven Shall Burn, und damit ein vielseitiger Mix von Metalstilen waren für ihre Fans da. Diese genossen eine ordentliche Versorgung mit ihrer Lieblingsmusik und feierten auf den Zeltplätzen. So auch das Camp Snakenet: eine Gruppe von Menschen aus Deutschland, Russland, den Niederlanden, Frankreich, Belgien und noch vielen anderen Nationen, so international wie es nur geht. Ursprünglich aus dem zum Musikstream snakenetmetalradio.com gehörenden Forum entstanden, treffen sich die Mitglieder jedes Jahr auf dem Festival. Das Forum selbst existiert nicht mehr, doch die Mitglieder treffen sich weiterhin auf Gatherings und Festivals. Etwa 70 kommen auf Wacken. Sie zelten zusammen, feiern und geniessen die Festivalzeit. Und mit selbstgebautem Partyzelt („The Dome“), Küche und Grill sind sie gut organisiert. Ihre Tradition auf Wacken ist lang, doch nun zu Ende. Und sie haben ihre Gründe.

Alles teurer, größer, unkontrollierter

Kaum 24 Stunden nach dem Metaltreff sind die Tickets für das nächste Jahr bereits ausverkauft. Wieder wird es überfüllt und alles orientiert sich am großen Geld. Ein Festival, das einst klein war, ist zu einer großen Sache für die internationale Metalmusik geworden und hat die Fans etwas auf der Strecke gelassen. Die teuren Tickets sind angesichts des Band-Aufgebots vielleicht gerechtfertigt, nur waren große Bands wie Metallica hier nie zu sehen. Die Aussagen widersprechen sich: Metallica lassen verlauten, sie seien nie eingeladen; die Veranstalter sollen sie aber jedes Jahr einladen. Gerüchte sagen, dass Metallica mit 1.2 Millionen Euro Gage nicht zufrieden waren. Bei den Preisen der Karten und auf dem Festival sollte es an der Gage nicht scheitern.

Das Infield mit Konzertbühnen auf Wacken

Das Infield mit Black und True Metal Stage

Auch der Rest des Festivals nimmt mehr Werbung, mehr Händler, mehr teure Getränke und Extras wie die Wackinger Village – ein Mittelaltermarkt – auf. Es geht um das Geld der Fans, und die Metalmusik gerät in den Hintergrund. Ein trauriges Urteil für das größte Metalfest. Viele fangen an, sich neu zu orientieren: im Rock-Hard-Festival (Gelsenkirchen, Nordrhein-Westfalen, 7.500 Zuschauer) und mit ähnlichem Line Up auch im Summer Breeze (Dinkelsbühl, Mittelfranken, 39.000 Zuschauer) sehen sie die Alternative zum großen Kommerz und überfüllten Konzerten, und gleichzeitig kommen Gruppen an mehr Vorteile, wie zum Beispiel die Reservierungen des Zeltplatzes, die Wacken mehrfach abschaffen wollte. Auch der Preis ist angenehmer: mit 104 € sind 66 € gespart. Das einst gute Festival ist einfach zu groß geworden. Doch die Konzerte haben den Fans gefallen und es ist Zeit, etwas zu ändern. Jetzt heißt es nicht mehr „See you on Wacken – Rain or Shine“, sondern: „See you on Summer Breeze!“

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