Mächtig viel Theater

Donnerstag, 18. Oktober 2012 |
Veröffentlicht in Lifestyle

688 Wörter

Eine Aufführung hat meine Aufmerksamkeit erregt und ich habe ein Interview gemacht, das den Inhalt für meinen Artikel lieferte.

Man nehme an, der Normalbürger der Bundesrepublik Deutschland durchlaufe in seiner Schullaufbahn auch einmal den Deutschunterricht. Ferner nehme man an, dass Deutschunterricht sich, wie es denn gemeinhin die Annahme ist, auch mit dem absolut uneindeutigen Begriff Theater beschäftigt. Erklären sie doch mal Theater. „Theater, Theater, ja…vielleicht eine Gruppe von Menschen, die sich mit der szenischen Darstellung von Werken großer Schriftsteller beschäftigt, da sie besondere Fähigkeiten im Bereich der Darstellung von Charakteren besitzt und deshalb aufgrund dieses natürlichen Talents für diese Tätigkeit prädestiniert ist.“ Nun, eine doch schon verfeinerte Definition von Theater.

Um nicht unnötig die Erwartungen in das Theater in die Höhe zu schrauben beschränke man doch die Definition auf den ersten Teil der Aussage: „eine Gruppe von Menschen, die sich mit der szenischen Darstellung von Werken großer Schriftsteller beschäftigt“. Besagtes möglicherweise vorhandenes Talent ist dennoch wünschenswert.

Das Theater als mehrdeutiger Begriff stellt den kritisch Denkenden nun doch vor ein Ausmaß von Problemen. So wird man sich wohl nicht unbedingt augenblicklich einig, ob das Theater nun das Theaterstück, der Ort der Darstellung im Sinne des speziell dafür errichteten Gebäudes mit einer Bühne oder doch der Zwist zu Hause ist, denn nicht selten hört man sagen: „So ein Theater“.Doch diese Redewendung hilft dem Verzweifelten sehr: Theater ist also eine Darstellung, eine Aufführung. Wahrscheinlich stützt diese sich auf eine Kernidee, einen zu vermittelnden Inhalt von Wichtigkeit und Interesse für das Publikum oder auch für die Aufführenden. All diese Präzisierung bringt uns in die Erlanger Arcaden an einem Dienstag im Juli.

Die Erlanger Arcaden sind, wenn auch vielleicht der Name etwas imposanter klingt, ein Einkaufszentrum in des Städtchens zentraler Fußgängerzone. Wer nun in Richtung der Postfiliale schritt, wie immer in Eile, lief an einem Wasserspiel vorbei, wenn man es denn Wasserspiel nennen kann, denn das Wasser spielt digital auf einigen Bildschirmen. Nichtsdestotrotz ein Wasserspiel. Um jene digitale Darstellung – wieder beim Begriff angelangt – sah man eine Gruppe Kinder in einer pantomimischen Aufführung einer Meer-oder Strandszene. Mit Taucherbrille und Schnorchel und einigem Strandutensil behangen „schwimmen“ sie um das digitale Wasser herum. Da die Erledigungen rufen schreitet man geschwind weiter, um auf dem Rückweg mal zu schauen, was es denn mit dem Trockenplanschen auf sich hat.

Die Leiterin Köstler-Kilian gibt gerne Auskunft. Der Pluskurs der Erlanger Schulen führt hier sein jährliches „Unsichtbares Theater“ auf, ein kurzer Blick in die Runde: es sind alles Mädchen um die zwölf Jahre. „Das machen nur die Streber“, so sagen die Mädchen selbst. Sie proben in der Schule im Rahmen des Kurses Performances ein, stellen diese dann aber nicht auf einer klassischen Bühne vor, sondern nehmen vielbesuchte Plätze, wie zum Beispiel Einkaufszentren, als Bühne und tragen damit ihr Spiel ins öffentliche Leben und spielen nicht verschlossen hinter Theaters Mauern. Die eigentliche Aufführung besteht aus Imitationen von Passanten oder die Anpassung an die Umgebung wie im Falle des Wasserspiels. An mehreren Orten in Erlangen wird aufgeführt und das zu folgendem Zweck: das Auslösen von Reaktionen der Passanten.

Das erscheint wie eine interessante Idee seine Kreativität zur Schau zu stellen und weckt die Assoziation zu dem „Theater“ aus früheren Zeiten wie etwa dem Mittelalter, über das man sagt dass viele reisende „Schauspieler“ und Geschichtenerzähler Performances in der Öffentlichkeit machten und Musik spielten, um über einen Obolus des vorbeikommenden Publikums ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Nur wird hier kein Entgelt für die Vorstellung verlangt.

Wer wird eigentlich Schauspieler? Wie man vermuten kann wird zumindest in den Industrieländern das Theater gefördert und am Leben erhalten. Für Kinder wird das Theater als eine wichtige Förderung des künstlerischen Schaffens betrachtet, sodass schon im Kindergarten Aufführungen gemacht werden. Wenn das Theater Ausdruck des kreativen Geistes ist, aus welchem Grund macht der Mensch denn dann Theater? Das bleibt noch herauszufinden.

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