Tribute von Panem geht ins Finale

Sonntag, 7. Dezember 2014 |
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Hungerspiele für Katniss Everdeen vorbei

Die deutschen Kinos bekamen am 20. November 2014 den nächsten Teil der Geschichte des harten Außenseitermädchens aus Distrikt 12 zu sehen, und wie sie ihren Widerstand gegen das Kapitol nun richtig angehen will. Dazu bekommt sie unerwartete Hilfe: aus dem längst zerstört und verlassen geglaubten Distrikt 13 kommt der Ausweg aus den Händen des Kapitols.

Katniss bekommt endlich das zu sehen, wonach sie scheinbar schon lange gesucht hat: es gibt einen Widerstand gegen das diktatorische Regime des Kapitols in Distrikt 13. Und ihr hat man dabei auch noch die Rolle des Maskottchens zugedacht: als mittlerweile bekannte Figur im Fernsehen, mit ihrer widerwilligen, trotzigen Art, soll sie nun in der Propaganda des Widerstands die Fahne schwingen. Dies fällt allerdings mit Katniss' schlechter Schauspielerei, die schon jeher in der Geschichte dargestellt wurde. Einige wirklich stimmungslose, schwache Versuche ihrerseits sind gut für einen Lacher. Katniss hat es eben gern echt und dramatisch, weshalb sie schnell ins Kriegsgebiet geschickt wird, wo sie dann eine schöne kämpferische Mine auf dem Bildschirm abgibt.

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Der vorletzte Teil der Buchverfilmung öffnet ein neues Kapitel in der Geschichte von Panem, wo die Hungerspiele (zentral in den ersten beiden Teilen) nun Nebensache werden und ein politisches System das Andere im Krieg beseitigen will. Es ist ein Kampf von Demokratie gegen Diktatur, römisch angehaucht durch Brot und Spiele, Luxus gegen Spartanität, mit High Tech-Gerät sowie Psychotricks und -folter. Ein stimmungsvoller, mitreißender Film, der manchmal geringe Längen in der Spannung aufweist. Das erscheint aber gewollt, und stört die Geschichte nicht. Er berührt eine schöne Metaebene mit seinem Bezug auf Filmemacherei und Fernsehen mit dem medialen Kampf der beschwichtigenden Fernsehshows des Kapitols und der aufrührerischen Spots von Distrikt 13.

Auch die Beziehung Peeta-Katniss und Gale-Katniss ist weiter im Mittelpunkt, wobei sich weiterhin das Mädchen Katniss zeigt, die einerseits nur allein gelassen werden will, und der andererseits keiner der Beiden, weder der tatkräftige, energische Gale, noch der gefolterte, aufopfernde Peeta genügt. Wieder ist Katniss das junge, unentschlossene Mädchen, der die Liebhaber hinterherlaufen und die eine starke, aber gefühlvolle Frau für Mädchen von jung und alt darstellen soll. Sie soll dort die Galionsfigur sein, wie sie es für den Widerstand ist. Sieht man über diese Tatsache bereitwillig hinweg, kriegt man einen flotten, aber nicht platten Actionfilm geliefert, der schöne Facetten in der Story zu bieten hat, und auch Witz und Stimmung hat.

Mockingjay bekommt 4 von 5 Sternen für solide Unterhaltung mit wiederaufgelegten und durchmischten Ideen, die ein frisches Gefühl mitbringen. Die Teilung in zwei Filme stört zwar am Ende, scheint aber doch gerechtfertigt.

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