Buchkritik: The Hunger Games – Die Tribute von Panem

Donnerstag, 28. Februar 2013 |
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691 Wörter

Alle Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren sind jetzt versammelt. „Willkommen, Willkommen“ tönt Effie Trinket, in komischen Farben gekleidet, in das Mikrofon. Die Auswahl steht kurz bevor. „Wie üblich: Ladies first“, spricht Effie Trinket und taucht mit der Hand in die bauchige Glasurne ein. Sie zieht einen Zettel, schreitet zum Mikrofon und liest ab: „Primrose Everdeen!“ Nein, nein, sie darf nicht in die Spiele kommen! „Prim!“ „Prim!“ schreie ich.

Ich breche aus der Menge hervor, doch die Friedenswächter fangen mich ab, bevor ich zu meiner kleinen Schwester durchdringen kann. Panisch schreie ich: „Ich melde mich freiwillig als Tribut!“ Prim kreischt. Gale packt sie und trägt sie schnell außer Reichweite der Friedenswächter. Sie eskortieren mich nach vorn zur Bühne, und Effie Trinket fragt ins Mikrofon: „Wie heisst du, Liebes?“ Regungslos und monoton kommen die Wörter wie von selbst: „Katniss Everdeen.“

Ich bin der weibliche Tribut für Distrikt 12 in den 74. alljährlichen Hungerspielen. Ich bin so gut wie tot.

Kinder als Gladiatoren

Katniss Everdeen lebt in Distrikt 12 im totalitären Staat Panem, aufgeteilt in 13 Distrikte und das Kapitol. Der Staat auf dem ehemaligen Gebiet der heutigen U.S.A. ist nach Revolution und Bürgerkrieg in eine Diktatur verwandelt worden, in der jedes Jahr die Hunger-Spiele stattfinden. Aus 12 Distrikten werden jeweils ein Mädchen und ein Junge zwischen 12 und 18 Jahren zum tödlichen Kampf als Tribut und Strafe der Distrikte für die Revolution ausgewählt. Katniss Everdeen nimmt den Platz ihrer kleinen Schwester Primrose ein, als diese ausgewählt wird.

Jedes Jahr werden die Spiele als Mahnmal für die Revolution im Kapitol durchgeführt, zur Unterhaltung der Bevölkerung. Katniss Everdeen und Peeta Mellark, der männliche Tribut aus Distrikt 12 setzen alles daran, dass einer von ihnen lebendig aus dem Gemetzel in der Arena hervorgeht. Mit einem Säufer als Mentor und einer Modefixierten als Terminfee.

Suzanne Collins hat mit ihrem Roman „Tödliche Spiele“ (Originaltitel: „The Hunger Games“) aus dem Jahr 2008 ein Werk geschaffen, dass die klassische Love Story zum Thema hat. Peeta ist unsterblich in Katniss verliebt und will sie um jeden Preis zum Gewinner der Spiele machen. Er liebt das einzelgängerische, starke Mädchen, das keinem verfallen zu sein scheint. Die Love Story wird jedoch klar durchkreuzt: Es kann nur einen Gewinner geben.

Die Tribute werden in eine große Freiluftarena mit Wäldern, Flüssen und Seen geschafft, in der sie einander abschlachten sollen. Denn ihr Leben ist Tribut für das Kapitol. Damit erinnert das System stark an die Arenen der Gladiatoren und speziell das Kolosseum Roms zu Zeiten der Römer. Doch die Arena hat es in sich: sie ist kein Bau aus Stein, sie ist lebendig und brutal. Die Kinder müssen selbst für ihr Überleben in der Natur sorgen. Wer sich in den Kampf mit anderen Tributen wagt, kann Vorräte, Waffen oder nützliche Dinge wie ein Seil abstauben. Mit diesen tritt er dann gegen die präparierten Wälder an, wo Beeren giftig sind, tödliche Mutanten-Wespen ihr Revier klar markiert wissen wollen und die Spielemacher nur zu gerne die Arena mit Umweltkatastrophen, Mutationen oder auch einem hilfreichen Geschenk an die Tribute manipulieren. Denn für eine Fernsehshow, die das ganze Spektakel ist, zählt gute Unterhaltung.

Einfach fesselnd

Collins‘ dreiteiliges Werk „The Hunger Games“ lässt den Leser nach dem ersten Buch nicht innehalten und es verlangt Einen zu Ende gleich nach mehr. Die Kreativität, mit der sie die Arena im Geist des Lesers wirklich werden lässt, ist erstaunlich und packend. Mit demselben kreativen Sinn weiß Collins ihr zweites Buch der Reihe, „Gefährliche Liebe“ (Originaltitel: „Catching Fire“), zu schreiben. Helden, die nicht selbstlos sind, Helden die eindeutig selbstlos sind, und Helden, die ihr Ruhm schon lang zerstört hat, diese Bücher bieten all das in einer fantasievollen, etwas grausamen Geschichte eingepackt. Der dritte Teil „lammender Zorn“ (Originaltitel: „Mockingjay“), und damit das Ende der Reihe, kann nur auf ein einziges Ergebnis hinauslaufen, und nachdem es so geschieht, weiß Susanne Collins dennoch den Leser mit einer Wendung der Ereignisse in die Mangel zu nehmen und an das Buch zu fesseln.

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