Revolutionäre Verschlüsselung in WhatsApp?

Artikelserie – Wie dein Smartphone dich ausspioniert – Teil III

Coverbild der Artikelserie Wie dein Smartphone dich ausspioniert Fast zwei Monate ist die neue Krypto-Version des beliebten Messengers jetzt alt: wer WhatsApp nutzt, kann auf die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zählen, die das Unternehmen am 05. April implementierte. Damit ist eine der beliebtesten Messenger-Apps (1000.000 Nutzer im Februar 2016, statista) in den Rängen der sichersten App um einiges aufgestiegen. Ein echter Gewinn für die private Kommunikation.

Ein echter Fortschritt durch Verschlüsselung

Die Idee und die Umsetzung in Messaging-Apps ist nicht neu, doch bei einer Nutzerbasis von einer Milliarde ist der Einsatz der Verschlüsselungs-Technik ein deutlicher Zuwachs an Privatsphäre im Internet. Das Smartphone ist weiterhin auf dem Siegeszug hin zum meistgenutzten Gerät mit Internetverbindung und aufgrund seiner zahlreichen Kommunikationsmittel ist eine Verschlüsselung der gesendeten Daten die beste Maßnahme, um Privatsphäre herzustellen. Denn eine solche Sicherheitsmaßnahme nimmt den Firmen selbst die Einsicht in die Kommunikation, wenn die technische Umsetzung so wie bei WhatsApp erfolgt. Die Sicherheitsschlüssel, die die Nutzer zur Verschlüsselung benötigen sind nur auf den Geräten selbst hinterlegt und das Unternehmen WhatsApp schließt sich selbst von der Einsicht in die Nachrichten aus. Damit wird der Einfluss der Geheimdienste ausgehebelt, die überwachen wollen: WhatsApp kann nicht gezwungen werden, den Schnüfflern die Türen zu öffnen, weil es nicht in seiner Macht liegt.

Der Haken an der Sache

Wie zuvor festgestellt, ist WhatsApp vom Zugriff auf die privaten Nachrichten auf dem Smartphone ausgeschlossen. Es kann nicht mitlesen, was die Nutzer sich schreiben oder schicken. Leider ist das auch nicht unbedingt von Interesse für Geheimdienste NSA, FBI, Scotland Yard und BND. Denn eigentlich interessant sind die altbekannten Metadaten, die soziale Netzwerke abbilden. WhatsApp dursucht die Kontakte seiner Nutzer, um sie verknüpfen zu können. Es entsteht also auf den Servern ein Netz aus Telefonnummern, zusammen mit den Nutzungsdaten.

Das ist der zentrale Punkt, der für Geheimdienste interessant ist und der wesentlich zweckmässiger ist. Metadaten sind wie die Statistik, die es einem erspart, Details durchforsten zu müssen. Die Verbindungen in den sozialen Netzwerken der Menschen werden klar und erlauben eine Metaanalyse auf Gefahrenpotenzial, dass von dem Nutzer/Bürger ausgehen könnte. Auch die Nutzungsdaten liegen WhatsApp vor, die benötigt es zur Statistik und Unternehmensentwicklung. Diese Datentypen kombiniert ermöglichen Überwachung. Da hilft auch keine Verschlüsselung. Und genau dort kann ein Geheimdienst wie die NSA ansetzen und Daten zur Spionage nutzen.

Die Frage die sich stellt, ist: Kann ich als Nutzer mit dieser Technik zufrieden sein? Die Privatsphäre ist nach wie vor eingeschränkt und das eigene Leben dem staatlichen Zugriff ausgesetzt. Die Nachrichten sind geschützt, die Telefonnummern nicht und damit ist die Analyse möglich. Die Verschlüsselung ist wieder ein kleiner Baustein in dem großen Projekt Privatsphäre und kann nur dazu beitragen, die Regierung aus Privatem rauszuhalten. Ein klares Plus auf Seite von WhatsApp sind diese Punkte:

  • Verschlüsselung
  • große Nutzerbasis
  • kostenlos
  • kein Aufwand bei der Sicherheit
  • Allerdings sind dies klare Nachteile:

  • Nutzerdaten
  • Telefonbuch wird durchforstet
  • Zugriff von Geheimdiensten
  • Doch wozu man WhatsApp ganz klar gratulieren kann, ist die höhere Sicherheit. Früher mag der Messenger noch als total unsicher bekannt gewesen sein, doch ein großer Schritt ist getan.

    Einige Maßnahmen, die bei WhatsApp noch ergriffen werden könnten, ist zum Beispiel die Verschlüsselung der Inhalte auf dem Gerät des Nutzers. Dort liegen die Inhalte unverschlüsselt vor, wird dieses geknackt, sind die Nachrichten zugänglich. Auch das sind Daten, die Geheimdienste interessieren. Doch ist die Einschränkung hier, dass nur Geräte von als Gefahrenpotenzial bekannten Menschen geknackt werden. Solche Maßnahmen möchte man einem Geheimdienst nicht absprechen, schliesslich ist er für die Sicherheit eines Staates zuständig, und solche Einzelfälle sind unkritisch zu sehen.

    Die Verschlüsselung der WhatsApp-Kommunkation ist keine Revolution. Messenger wie Threema nutzten Verschlüsselung schon lange vorher. Doch die große Beliebtheit des Messengers mit dem grün-weißen Symbol gibt der neuen Sicherheitsmaßnahme echte Bedeutung. Einem so großen Kundenstamm die Sicherheitstechnik ohne Hindernisse zur Verfügung zu stellen, ist eine bedeutende Maßnahme. Genauso ist der Ausschluss des Zugriffs von WhatsApp selbst der richtige Schritt. Das Unternehmen kann sich damit Vertrauen bei den Menschen verschaffen, die Spionage bedenklich finden.

    2 Gedanken zu „Revolutionäre Verschlüsselung in WhatsApp?
    1. Hallo Matthias,

      vielen Dank für den ausführlichen und interessanten Artikel. Ja, die Verschlüsselung von WhatsApp hat schon mehrere Facetten. Vielen Geheimdiensten geht das sicherlich gehörig gegen den Strich. Spätestens mit der erneuten Sperre in Brasilien wird das klipp und klar deutlich. Ein schweres Thema, wenn man darüber diskutieren möchte. Auf der einen Seite sollen Terroristen frühstmöglich dicht gemacht werden, auf der anderen Seite schreien immer alle gleich laut, wenn ein Messenger nicht verschlüsselt ist oder jemand abgehört wird. Privatsphäre und Schutz ist heute einfach nicht mehr möglich. Da ist WhatsApp nunmal ein gutes Beispiel…

      Viele Grüße

      Moritz

      • Freut mich, dich hier zu sehen, Moritz…

        Ich finde das Argument Überwachung gegen Terror immer ein bisschen diffus. Die Wirkung soll da ja sehr gering sein. Mir persönlich geht der Einfluss des Staates bei solchen Dingen zu weit.

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