Ungefilmt und Ungespielt: Blogger gibt YouTube-Kanäle auf

Samstag, 27. Dezember 2014 |
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Blogger Simon Unge verzichtet für seine Alltags-Mittelmäßigkeit auf Vermarktungsnetzwerk

Simon Unge ist ein junger Mensch, der sein Leben mit YouTube finanziert. Er führt sein VLog (Online-Tagebuch, dass endlich jeder lesen darf) ungefilmt in dem er Alltag in ein Video packt, damit die YouTube-Surfer an seinem durchschnittlichen Leben teilhaben können. Das findet den Zahlen nach ordentlich Anklang beim Publikum, wenn seine Kanäle ca. 800.000 bzw. 1.4 Millionen Follower haben. Sein zweites Format ungespielt beschäftigt sich mit Let's Plays über aktuelle oder nicht so aktuelle Computerspiele. Beides sehr erste Welt, 21. Jahrhundert-Jugend-Alltag. Was ihn im Internet sehr sympathisch und beliebt macht.

Die Zuschauer schätzen sicher das Einschalten wann man will, also Video on Demand. Der Alltag solle so individuell gestaltet werden, dass auch das "lineare" Fernsehen sich danach zu richten hat. Das ist moderner Zeitgeist im Einklang mit der Orientierung auf Individualität in der Gesellschaft. Dabei spricht ein junger Moderator wie Unge natürlich das junge Publikum an, da er selbst das deutsche 21.Jahrhundert der Jugend lebt. Er gibt weder Nachrichten, Kommentare zum Zeitgeschehen oder weiterführende Informationen ab, sondern hat ein regelrechtes Tagebuchformat. Damit fährt er, wie zuvor kommentiert wurde, im Zug der Videologs mit, die sich mit Mode und Beauty oder dem Zocken beschäftigen. Dabei sticht aber jemand heraus, der seine Sendungen auch für den Alltag anderer relevant macht.

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Google Plus

LeFloid macht "junge" Nachrichten, kommentiert mit seiner eigenen Meinung aktuelle Geschehnisse, die er (vermutlich) aus Nachrichtenportalen zieht. Ihm hilft seine ausdrucksvolle, eigene und schräge Art, diese News zu präsentieren, was seinen Kanal und seine Sendungen verkauft. Dabei kann er die Zuschauer per Kommentare auf YouTube einbeziehen, geht also vom Fernsehen, das konsumiert wird, zum Video, an dem Zuschauer teilhaben können. Er steht hier aber einem Format wie Unges total gegenüber, der über Gaming und Alltag die Zuschauer an den Bildschirm zieht.

Unge wurde aktuell das Thema vieler Berichte der Printmedien, als er sich mit seinem Marketingkonzern Mediakraft überworfen hat. Mediakraft ist ein Konzern, der OnlineTV-Inhalte vermarktet und verbreitet. Er macht die Formate der YouTuber professioneller, bietet ihnen Promotion und beeinflusst damit die Reichweite der Videos auf YouTube. So fördert er auch den Verdienst der YouTuber, die sich in altbekannter Weise über Werbung vor ihren Videoclips auf YouTube finanzieren. Viele bekannte YouTube-Moderatoren können nach eigener Aussage gut von diesen Verdiensten leben. Mediakraft hat nach Aussage von Unge ihm keinerlei Hilfe bei jedweder Anfrage geboten, die er für seinen Kanal gemacht habe. Mediakraft spricht davon, dass entsprechende Angebote von Unge immer ausgeschlagen worden seien. Im Interview mit Spiegel Online kommt das Gefühl auf, dass dies tatsächlich so gewesen ist. Unge verabschiedete sich mit einem leicht aggressiv stimmungsgeladenen Video vom Unternehmen. Mediakraft sieht sich einem Shitstorm gegenüber, der sicher dem Image nicht zuträglich ist.

Kanäle wie LeFloid und Unge sind zwei Enden der Qualität. Sie bieten Unterhaltung, die wohl das Fernsehen ablöst. Die moderne Tagebuchmode lebt Zweiterer viel stärker aus und er darf einmal überdenken, wie wichtig das im ganzen YouTube (und im Leben?) ist.

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