Nutzerdaten mit Atlas und der Facebook-ID

Titelbild Atlas Ads von Facebook

Facebook verdient sein Geld mit dem gleichnamigen sozialen Netzwerk, das mit 1,55 Milliarden Nutzern ein echter Riese ist. Es schaltet speziell auf die Einzelperson zugeschnittene Werbung. Die nötigen Daten wie das Alter, Geschlecht, Wohnort und natürlich die individuellen Interessen werden gesammelt und gespeichert, um auf dem sozialen Netzwerk bezahlte Werbung zu schalten. Mit der steigenden Verbreitung von Smartphones, Tablets und Laptops, also mehr und mehr Geräten mit Internetzugang, wurde es jedoch schwer, die Customer Journey, die einzelnen Schritte des Sich-Informierens und schliesslichen des Kaufs im Internet nazuverfolgen. Denn Nutzer wie du und ich haben viele Surfmöglichkeiten im Internet, die alle getrennt erfasst und ausgewertet werden mussten. Das ermöglicht der Atlas-Adserver zusammen mit der Facebook-ID.

Cookies waren lange Zeit das Maß der Dinge, doch Facebook hat seine Macht verstanden: es nutzt alle Nutzerdaten zu einer Person und identifiziert diese mit einer eigenen Facebook-ID. Ein schlaues Zusammenspiel: Cookies können gelöscht werden. Deshalb nutzt Facebook sie als Überbringer von Nutzerdaten, bis der interessierte Surfer wieder in Kontakt mit Facebooks Services kommt. Dort wird die Information des Cookies ausgelesen, mit der Facebook-ID verbunden und bei Facebook gespeichert. Um dann mit passgenauer Werbung zu attackieren.

Werbeserver Atlas zur zielgerichteten Rückverfolgung

Dieses System baute Facebook weiter aus. Der Adserver Atlas, entwickelt von Microsoft, ist die neue Ergänzung in der Werbenachverfolgung von Facebook. Adserver sind Webserver, die Werbung an Webanwendungen ausliefern, die Werbetreibende in Auftrag geben. Bei Facebook's Atlas ist die Facebook-ID das schlagende Argument: genau auf Kunden zugeschnittene Werbung, zielsicher ausgeliefert. Dabei bleibt der Nutzer weitgehend anonym: persönliche Daten wie Anschrift und Kontaktdaten oder Geburtsdatum werden nicht herausgegeben. Diese Informationen bleiben bei Facebook, und der Adserver vergleicht die Werbeinformationen mit den persönlichen Daten, um immer den gewünschten Menschen mit der Werbung anzuvisieren.

Diese Werbung ist 10 bis 30% effektiver. Doch das Problem ist: der Nutzer wird wieder ein Stück leichter identifizierbar. Über Geräte hinweg wird die Facebook-ID genutzt und die Daten können auch mit Bonusprogrammen aus konventionellen Geschäften zusammengebracht werden. Bonusprogramme aus Hotels oder Geschäften können zum Beispiel ihre Daten hochladen und so das Profil des Nutzers vervollständigen.

Das Werbenetzwerk liefert Anzeigen auch außerhalb von Facebook aus, womit das Unternehmen sich weitere Marktanteile vom Werberiesen Google holt. Surfen im Internet wird mehr und mehr zu einer Art Informationsblase, die andere relevante Information ausschliessen kann. Werbung kann auf indirekte Weise wirkungsvoll Entscheidungen beeinflussen. Und diese Macht liegt bei einigen wenigen Unternehmen. Facebook hält auf seinem Netzwerk schon einen großen Anteil daran, kann mit dem neuen Adserver Atlas aber noch weitaus effektiver agieren. Information ist im Internet nicht gleich Information, denn Werbung kann ihren Platz einnehmen und dies auf besonders einseitige Weise.

Betrifft Internet Informationsgleichheit?

Durch solche Mittel wird andere Information benachteiligt ausgeliefert. Lange schon nutzt Facebook ein Ranking-System von Information in seinem sozialen Netzwerk. Dieses bestimmt, wann man was im Newsfeed zu sehen bekommt. Werbung funktioniert ganz genauso. Und unbewusst sind Menschen für die gesendeten Signale empfänglich. Dies beeinflusst ihre Stimmung und auf diesem indirekten Weg auch ihre Meinung. Man nennt das Priming, eine Reaktion wird durch einen vorher im Zusammenhang präsentierten Reiz entsprechend beeinflusst. So entsteht eine Informationsblase und der Nutzer wird beeinflusst, obwohl er das nicht wünscht.

Aufgrund von Facebook’s Geschäftsmodell ist also die präsentierte Information weiterhin mit Vorsicht zu geniessen. Um den Überblick zu behalten, sollte man immer mehrere Informationsquellen nutzen. Jeder Nutzer muss sich bewusst sein, dass ein einseitiges Bild der Welt auf Facebook präsentiert wird, wovon der Atlas-Adserver ein neuer, großer Teil ist. Er wird auch außerhalb des sozialen Netzwerks angewandt und hat so einen bemerkenswerten Einfluss.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.