Mein Leben, meine Daten: Add-ons


Informationelle Selbstbestimmung im Netz

Nicht jeder Mensch hat bei Computern den Durchblick. Viele haben eine generelle Ahnung davon, dass surfen im Internet nicht anonym ist. Und für viele ist dies nicht weiter schlimm. „Ich habe nichts zu verbergen“ und damit ist das Thema Datenschutz für sie abgehakt. Doch wieso ist das der Grund, seine Daten preiszugeben?

Wenn man einmal einen guten Grund gefunden hat, wieso man seine Surfaktivitäten lieber etwas anonymer gestalten will, sieht man auch mehr Vorteile darin. Stellt man es richtig an, gibt es keine YouTube-Videos, die die GEMA verbietet zu sehen und es gibt keine nervige Werbung nach jedem Klick. Zwar unsichtbar, aber dennoch da: Profiling. Durch Metadaten ist das Geschichte. Doch um das Ausmaß der eigenen Spuren im Internet zu erkennen, kann man erst mal einen Überblick gewinnen. Welche Verbindungen im Internet Überhaupt gemacht werden, die vielleicht nicht ewig gespeichert werden sollen.

Der Helfer: Das Add-on-Paradies

Dieser Teil des Artikels basiert auf dem Mozilla Firefox. Er bietet zahlreiche Erweiterungsmöglichkeiten zur Diagnose des Problems und zu einem privateren Surfen

Für den Mozilla Firefox-Browser sind zahlreiche AddOns zu haben, auch im Bereich Sicherheit. Den Anfang sollte Lightbeam machen: es sammelt (privat auf dem Rechner) die Daten von Seiten, die man beim Surfen besucht hat, mit welchen Drittseiten diese Kontakt aufgenommen haben (zum Beispiel um Daten anzufordern) und Cookies, die gesetzt wurden. In einem fünftägigen Kurzzeittest zählte Lightbeam 47 Seiten. Diese 47 nahmen mit fast doppelt so vielen Seiten Kontakt auf, insgesamt 88. Alleine dieser Fakt ist erschreckend. Die doppelte Anzahl Seiten erhielt Daten vom Nutzer, obwohl man sie nie besucht hat. Und noch etwas Unschönes teilte das Addon mit: Google, Youtube und Facebook bilden ein richtiges Netz aus Verbindungen über viele Ecken und Enden.

lightbeam_verbindungen

So kann die interaktive Lightbeam-Darstellung aussehen.

Sie verbinden sich dabei auch mit Wikipedia und etlichen kleineren Seiten. In etwa 70 Prozent der Fälle setzten sie dabei Cookies und griffen gemeinsam auf diese zu. Was heißt, dass sie Daten ablegen, die zusammengesetzt werden und ein Nutzungsprofil ergeben. Selbst eine Internetbanking-Seite kommunizierte mit 5 Drittseiten, wobei sie 4 Cookies ablegte. Ein Nutzerprofil zu erstellen ist also für viele Seiten ein Kinderspiel und mit der Privatsphäre ist es dann vorbei. Zum Vergleich: würde die Deutsche Post zählen, wieviele Briefe wir verschicken, an wen wir sie verschicken und bei sich diese Daten dauerhaft speichern, wäre das ein Skandal. Und im Internet ist es schlimmer: Der Inhalt der Kommunikation wird ersichtlich, indem man einfach die besuchten Seiten aufruft, die nunmal eine eindeutige Adresse haben und öffentlich sind. Vorlieben, Interessen und Neigungen nachzuzeichnen ist kein Problem. Der Schritt von der Überwachung bis zur Imitation der Identität ist klein. Da erscheint personalisierte Werbung fast noch ein geringes Übel.

Einen Riegel vorschieben

Möchte man nicht den umständlichsten Weg gehen und eine totale Anonymisierung nutzen (meißt zu Lasten der Internetgeschwindigkeit), können diese AddOns ein wenig Abhilfe schaffen. Zwei davon bilden die Spitze: NoScript (Anonymisierung) und AdBlock Plus (gegen Werbung). NoScript blockiert in jeder Website das Javascript, eine Sprache, in der interaktive Webseiten gestaltet werden. Javascript dient auch dazu, mit anderen Seite Kontakt aufzunehmen. Ist NoScript aktiviert, wird beim Laden der Seite das JavaScript blockiert und nicht geladen. Damit kommt es zu keinem Kontakt zu Drittseiten. Nachteil: Manche Seiten basieren auf JavaScript und sind ohne unbenutzbar, so z.Bsp. Facebook. Doch NoScript lässt Ausnahmen zu, die man ohne Umstände sofort einstellen kann. Damit erhält man die Funktionalität, aber blockt die Datenkraken. So z.Bsp. goooglesyndication.com oder gstatic.com. gstatic ist Teil von Google Analytics. Dies misst zum Beispiel die Anzahl der Aufrufe von Webseiten und die Dauer des Aufenthalts. Google erfährt, von welcher Seite man kommt und wohin man weitersurft. Darin eingeschlossen sind IP-Adresse, Browser, Auflösung und Betriebssystem sowie Netzwerkstandort. NoScript verhindert das und kann auch gegen Viren helfen. Es blockiert getarnte Downloads von vornherein, da der entsprechende Programmcode nicht geladen wird. Seiten können nicht auf andere weiterleiten.

Möchte man nur lästige Werbung umgehen, empfiehlt sich AdBlock Plus. Es blockiert Werbung. Diese wird nicht angezeigt und erspart lästiges Blinken, Leuchten und zusätzliche Fenster. Das Surfen kann damit um einiges angenehmer und auch weniger datenintensiv werden. Im Falle von Facebook blendet es das Übel einfach aus: Facebook vermarktet alle seine Nutzerdaten in personalisierte Werbung. Das Like Button-Plugin sammelt dabei etliche Daten, genauso wie der Verkehr auf der Seite. Nicht selten kann man eine einfache Google-Suche machen und tags darauf genau das Gesuchte als Werbung auf Facebook wiederfinden. Auch auf allen anderen Seite umgeht man mit AdBlock Plus Werbung.

Anonym mit direktem Vorteil

Zwei weitere Addons versprechen besondere Vorteile: Proxtube und Stealthy. Sie funktionieren nach demselben Prinzip: Sie täuschen einen anderen Netzwerkstandort vor. Dabei können sie auch richtige Proxyverbindungen aufbauen. Der Netzwerkstandort ist wählbar. Damit kann man Angebote nutzen, die in Deutschland gesperrt sind. So fällt z.Bsp. auf Youtube die GEMA-Warnung direkt weg. Wenn aktiviert, läd ProxTube einfach das entsprechende Video anders, und schon schaut man ungehindert. Stealthy lässt sich auch breiter anwenden: als universales Proxy-PlugIn hilft es überall dort, wo die Angebote einem bestimmten Staat vorbehalten sind.

Jeder kennt Cookies, kleine Dateien von Webseiten auf dem Computer. Diese speichern aktive Logins und anderes, können aber zur Identifizierung und Datensammlung missbraucht werden. Es gibt auch Cookies, die nicht mit den normalen Cookies gelöscht werden, und viel besser zur Identifikation des Computers und Nutzers geeignet sind: LSO-Cookies. Sie sind Datenstücke für Flash Player, um Sie nach Besuch einer Seite zu identifizieren und die speichern, welche Flash-Anwendungen Sie genutzt haben. Das AddOn BetterPrivacy löscht diese je nach Einstellung. Da Flash Player als Sicherheitrisiko bekannt ist, ist dies nur zu empfehlen. Seiten die Daten auslesen zu lassen ist schließlich nicht schwer.

Anonymität lohnt sich, und ist recht einfach zu bekommen. In diesem Artikel wurden Lösungen behandelt, die den Internetverkehr nicht schwer beeinträchtigen, und trotzdem Nutzen bieten. Informationelle Selbstbestimmung sollte auch im Internet erstrebt werden. Denn Selbstbestimmung ist ein Gut so wertvoll, dass es Artikel 2 des Grundgesetzes bildet. „Ich habe nichts zu verbergen“ ist nur ein naives Die-Augen-vor-dem-Problem-Verschließen. Dass informationelle Selbstbestimmung Grundstein der Demokratie ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.