Dein Aufenthaltsort wird immer durchleuchtet

Artikelserie – Wie dein Smartphone dich ausspioniert – Teil II

Coverbild der Artikelserie Wie dein Smartphone dich ausspioniert
Auf Schritt und Tritt sind sie dir hinterher. Du fährst zur Arbeit: gespeichert. Du hältst an einem Café: gespeichert. Du spazierst in einen tiefen Wald und kommst stundenlang nicht heraus? Wie verdächtig. Warum du wohl nach England geflogen bist? Dein Smartphone jedenfalls hat deine Reise bei Google bekanntgegeben, und auch bei deiner Wetter-App, deiner Flirt-App und in Facebook, Google Plus und Twitter. Denn Smartphones haben integrierte GPS-Antennen, mit der das Telefon den Standort bestimmen kann.

Dieser Fakt selbst ist nicht weiter bedenklich, schliesslich möchte man sich in einer fremden Stadt orientieren oder auf der Autobahn nicht verfahren. GPS ist außerordentlich nützlich und ist alleinstehend kein Grund zur Sorge. Denn GPS bestimmt nur die eigene Position, ruft also Daten von Satelliten ab, womit das Gerät ermitteln kann, wo es sich befindet. Der Standort wird dabei nicht nach außen bekannt.

Das Problem kommt erst danach: Apps auf dem Smartphone, die eine Berechtigung zu Standortdiensten haben, senden den Standort mit vielen anderen Daten weiter. An die Server für die jeweilige Google App, an die Server von Anbietern, die Ortungsdienste eingebunden haben, an Facebook, das den Standort per GPS oder Netzwerk zeigt. Ganz schnell wird der Dienst nicht mehr für die gewünschte Standortfunktion verwendet, sondern für alles mögliche andere.

So können Apps zum Beispiel auch diese Informationen abgreifen:

Und wenn das alles erst einmal zusammengetragen ist, klinkt sich die Marketing-Abteilung der Firmen ein. Dann geht es wie bei Google mit Werbe-IDs an die Auswertung der Daten, die zwar oberflächlich anonymisiert sind, aber schlussendlich absolut aussagekräftig sind.

Der Standort kann viel über den Menschen vor dem Smartphone aussagen. Zuerst einmal ist da Geotargeting. Das bietet die Möglichkeit, Werbung entsprechend der Umgebung auszuliefern. Werbung selbst wiederum kann auch tracken, denn dabei werden wieder Informationen erhoben. Wenn Google nun bezahlte Werbung schaltet, und der Standort Beschränkungen dabei zulässt, was bekommt der Nutzer dann vom Internet zu sehen? Suchergebnisse können nach diesen Parametern angepasst werden. Die Werbung wird angepasst. Richtet sich eine Firma nach Googles Vorschriften, dann läuft ihr Geschäft bei Google. Tut sie es nicht, was dann? Und wie Google die Ergebnisse beeinflusst, ist nur eines der Übel.

Denn wenn sich Überwachung der NSA dazwischenklinkt (Google ist ein Unternehmen in den USA, die NSA überwacht den Datenverkehr der Glasfaserkabel in die Vereinigten Staaten), dann steht schon wieder der Geheimdienst da und schnüffelt. Nicht nur, dass die Geheimdienste den Zugriff auf die tatsächlichen Nachrichten ihrer Bürger haben, sie können auch bis zum Standort hinunter voll in das Leben der Bürger einsteigen.

Es entsteht eine Echtzeitbiografie, der sogennante Social Graph, in dem komplexe Beziehungsnetze der Menschen erstellt werden, und bis zu 10 Jahre gespeichert. Dass dies nur auf echte Terroristen beschränkt ist, wird kein Mensch glauben. Das betrifft nicht nur die USA, denn der BND arbeitet für die NSA vor, indem er Ergebnisse nach Parametern der NSA vorfiltert und dann erst übermittelt. Das spart man sich bei der NSA noch Arbeit.

Den gläsernen Menschen schaffen

Das umfangreiche Profiling der Menschen hat schwerwiegende Konsequenzen für das Leben der Bürger. Es ist für Banken einfach, diese Techniken zu nutzen, um die Kreditwürdgikeit des Kunden zu bestimmen. Die Freunde in sozialen Netzwerken haben keinen geldintensiven Lebensstil? Sie haben keine hochbezahlten Jobs oder Erfahrung im Umgang mit Kapital? Leiden sie Geldsorgen? All dass könnte auch auf den Antragssteller zutreffen, und die Bank sieht das Geld nie wieder.

Auch können Marketing-Unternehmen aufgrund solcher Daten kategorisieren, wer besonders lukrativ als Kunde wäre. Wer nicht lukrativ sein könnte, der kriegt nicht einmal das bessere Angebot unterbreitet.

Doch der Konsum von Waren ist lange nicht das Ende der Fahnenstange. Mit den Smartphone-Daten kann noch viel mehr beschlossen werden: Wie sehr wird die Person die Dienste der Krankenkasse benötigen? Wie hoch muss also ein Beitrag angesetzt werden, und welche Leistungen muss der Kunde extra zahlen?

Auch hier können Standortdaten helfen. Es wird sichtbar, in welche tägliche Gefahren der Mensch sich begibt – Fahrradfahrer, Autofahrer, Extremsportler, Arbeiter in einem Chemiewerk, Feuerwehrmann, Testpilot und so weiter – und welche Leistungen er demnach benötigen wird. Und wieviel der Kunde von den Leistungen selbst zahlen kann.

Standortdaten sind nicht ohne

Es wird ersichtlich, dass mit Standortdaten Manipulation, Kontrolle und Einschränkung kommt, die zwingend aus einer kapitalistischen Gesellschaft entsteht. Auch das Smartphone leistet seinen Anteil daran, ob nun als schlichtes Konsumobjekt, als nötige Unterstützung im Alltag oder Hochleistungstool eingesetzt. Mit seinen vielen Möglichkeiten kann es dem Nutzer auch schädlich sein, und die indirekte Kontrolle von außen vereinfachen. Die Standortdienste sind dabei nur ein Teil des Mosaiks der Netzwerke, die Menschen aufbauen und die anderweitig ausgenutzt werden können.

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