Sind Hausarbeiten am Ende doch nur für den Abfall?

Freitag, 20. Juni 2014 |
Veröffentlicht in Ich studiere

868 Wörter

 

An der Universität werden massenhaft Hausarbeiten von Studenten geschrieben – und nur ein einziges Mal gelesen. Will man seine harte Arbeit nicht in der Tonne sehen, kann man sie veröffentlichen.
Hier erfährst du, wie das geht.

Zum Studium an einer deutschen Universität gehört auch, Hausarbeiten mit gründlicher Literaturrecherche und bis zu 20 Seiten Länge zu schreiben. Eine Hausarbeit soll wie ein Buch sein: Ende, Hauptteil, Schluss und interessanter Inhalt. Diesen zu erklären ist eine Heidenarbeit und erfordert gründliche Vorbereitung und Zeit. Am Ende landet die Arbeit bei dem Dozenten auf dem Tisch, der sie bestenfalls ein paar Mal liest, eine Note gibt und das Ding verstaubt ab sofort im Schrank. Eine Hausarbeit beleuchtet immer ein gewisses Thema aus einem bestimmten Blickwinkel. Der Student soll beweisen, dass er sich in der Gemeinschaft anderer Wissenschaftler ausdrücken kann und ihre Anforderungen umsetzen kann. Doch dann ist die Arbeit eher nutzlos. Veröffentlicht man sie doch im Internet: schnell, unkompliziert, für jeden lesbar und ein bisschen Geld springt auch dabei heraus. Wenn es doch so einfach wäre.

Veröffentlichen ohne Kosten – und ohne Einnahmen

Bigredonline.de veröffentlicht Hausarbeiten und Vorlesungsmitschriften kostenlos für den Autor, aber auch ohne Entgelt. Dokumente können ohne Anmeldung heruntergeladen werden und unterliegen einer Qualitätsprüfung. Die geprüfte Vorlesungsmitschrift sieht informativ und ausführlich aus, aber Quellenangabe: Fehlanzeige. Da Vorlesungsmitschriften sowie Vorlesungen allgemein keine verlässliche Quelle für wissenschaftliche Arbeit sind, ist das nicht tragisch. In der eigenen Hausarbeit aber fällt man damit jedenfalls auf die Nase.

Hausarbeiten werden von den Nutzern per Sterne bewertet. Das kann als erste Orientierung hilfreich sein. Die Stichprobe in einer mäßig bewerteten Arbeit über eCommerce zeigt, dass sie nicht verbessert worden sein kann: Splittung des Themas in viele Unterkategorien, Rechtschreib – und Formfehler. Die Bewertung durch die Uni wird mit angegeben, zusammen mit dem Userranking sind also die qualitativ hochwertigen Arbeiten zu finden. Doch Verlass auf die Qualität gibt es nicht.

Viel Auswahl an Arbeiten und ihren Fachbereichen gibt es bei grin.com. Direkt von der Homepage weg können Arbeiten veröffentlicht werden. Neue Arbeiten kommen rund alle Viertelstunde dazu. Gesucht wird nach Fachbereichen und die Anzahl verfügbarer Arbeiten ist direkt einsehbar. Im Gesamten eine einfache und schöne Seite. Die Preise für eine Arbeit rangieren zwischen 10 und 35 Euro im Durchschnitt. Zu den Arbeiten gibt es eine Leseprobe, ein Blick in die Gliederung ist also möglich. Zum Blindkauf wird man hier nicht gezwungen. GRIN ist auf Shopping ausgerichtet: man hat einen Warenkorb, allgemein erinnert die Suchmaske an amazon.com.

Eine Stichprobe zeigt auch hier: gründlich überprüft wurde die Arbeit nicht, es fehlen sogar Wörter im Satz. Die Hochschule und Note sind direkt einsehbar, sogar das Institut wird genannt. GRIN bietet auch eine Zitationshilfe an. Man kann direkt online lesen, oder sich die Arbeit drucken und zuschicken lassen. Kommentare durch die Nutzer sind für alle einsehbar, allerdings sind selten welche zu finden. Zumindest theoretisch wäre also hier eine Bewertung möglich, aber ein System mit Punkten oder Sternen gibt es nicht. Im Gesamten ein schönes Paket, wenn da nicht die Fehler wären. Und das, obwohl GRIN die Arbeiten von einem Lektorat durchsehen lässt.

Der Autor wird am Umsatz beteiligt, also ist zumindest ein Euro extra für den armen Studenten drin. Man kann sich zwischen Festpreis und Prozenten am Umsatz entscheiden. Die Frage muss hier immer sein: ist das Thema wichtig genug, dass die Prozente den Festpreis am Ende einholen? Viele Hausarbeiten bearbeiten Nischenthemen, die keinen großen Anklang finden dürften. Da ist Festpreis die bessere Wahl. Prozentual kann man bis zu 60% des Verkaufspreises einfahren. Zu GRIN gehören auch Hausarbeiten.de oder diplomarbeiten24.de.

Wenn es nur mehr Leser sein sollen

Die Hausarbeit schlicht für den Dozent und damit für die Note zu schreiben ist nicht das Ende: 360° übernimmt hier. Das ist ein halbjährlich erscheinendes Journal, dass ehrenamtlich und mit externen Gutachtern ein Magazin herausbringt, welches sich aus Essays, Hausarbeiten oder anderen Beiträgen zusammensetzt, die aber für das Magazin angepasst werden müssen und ein zentrales Thema behandeln, zur Zeit ist das „Risiko“. Artikel müssen hier wissenschaftlich, aber allgemeinverständlich sein.

Einladung zum Abschreiben

Studenten können sich auf diesen Portalen umschauen, was die aktuellen Meinungen zu einem Thema sind, können sich Anregungen holen und auch einfach mal sehen, welche Maßstäbe einer Einser-Arbeit zugrunde liegen. Der Nachteil an der ganzen Sache: die Portale können einfach zum Abschreiben benutzt werden, die Ideen abgekupfert und in die eigene Arbeit gesetzt werden. Manch einem mag das ein Grund dagegen sein. Doch an der Uni gilt: Copy, Paste, Durchgefallen. Also keine Sorge um das Urheberrecht. Das ist Einem sicher.

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