Lehrwerkstatt: Bin ich in diesem Job richtig?

Die Lehrwerkstatt als Programm für bayerische Lehramtspraktika – Ein Jahr in der Schule

Lehramtsstudierende haben einige Praktika auf dem Programm, die für ihren Abschluss an der Universität vorgeschrieben sind. Denn Lehramtsstudierende sollen eine klare Vorstellung davon erhalten, wie der Lehreralltag aussieht. Und erfahren, wie man sich verhält wenn man nicht mehr wie in der Schule in der Klasse sitzt, sondern vor der Klasse steht.

Die „Lehrwerkstatt“ möchte den zukünftigen Lehrern ein umfassendes Programm geben, welches Ihnen den Einstieg in die Schule erleichtern soll. Dazu verbindet sie das vierwöchige „Orientierungspraktikum“ und das „pädagogisch-didaktische Praktikum“ in einem einjährigen Programm aus Blockphasen und semesterbegleitenden Phasen, sowie mit einigen zusätzlichen Trainingsveranstaltungen (Workshops). In der Schule begleiten die Studenten einen bis zwei Lehrer 225-260 Stunden im Jahr, in der Uni besuchen sie ein Begleitseminar. Über das Jahr verteilt arbeiten sie in drei Workshops außerhalb der Schule mit ihren „Lehrmentoren“ (dem Praktikumslehrer) an pädagogischen und didaktischen Problemen.

Vom Schüler auf zum Lehrer

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Als Student erhält man viele Einblicke in den Schulalltag, die ohne das Programm nicht unbedingt zu haben sind. Als Teilnehmer der Schulkonferenzen ist man von Anfang im Schuljahr dabei und sieht die Organisation der Lehrer. Ab Anfang des Schuljahres begleitet der Studierende einem ihm im Tandem zugeteilten Lehrer. Er wird dabei in alle Vorgänge mit einbezogen und sitzt als Beobachter im Unterricht. Über das Jahr hinweg steigert sich die Teilnahme stetig, sodass man kleine Einheiten des Unterrichts selbst übernimmt und auch ganze Stunden bis hin zu Lektionen des Buches lehren darf. Dabei steht der Lehrmentor mit Rat zur Seite und gibt Feedback über den Verlauf des Unterrichts.

Team auf längere Zeit

Man ist also über ein Jahr hinweg ein Team, das sich gut kennenlernt und damit genaues Feedback erhalten kann. Und man muss sich nicht an eine neue Lehrkraft für jedes Praktikum gewöhnen. Die Zusammenarbeit ist also intensiver und konkreter für den Praktikanten. Man erhält also eine gute Entscheidungsbasis für die Frage: Bin ich in diesem Job richtig?

Neben dem Alltag in der Schule, den man in Blockpraktika und in semesterbegleitenden Phasen von 5h die Woche mitnimmt, stehen Workshops. Diese werden von Lehrkräften mit besonderen Qualifikationen im pädagogischen Bereich geleitet. Für das Jahr 2014/15 sind dies 3 Tiroler, die die bayerischen Lehrmentoren und Lehrwerker betreuen. In der zweiten Woche der ersten Blockphase gehen Lehrmentor und Lehrwerker zusammen einen Tag auf Workshop, in dem sie sich mit ihren Zielen im Tandem beschäftigen, Lehrmethoden besprechen und Teambuilding-Spiele veranstalten. Eins dieser Spiele soll die Gruppe (und auch die Schüler) lehren, dass man zusammmenarbeiten muss.

Teamarbeit im Spiel lernen

Das Spiel läuft so ab:
Eine Gruppe bekommt eine Aufhängung, mit der Klötze mit Haken zu einem Turm gebaut werden sollen. Jeder in der Gruppe hält ein mit der Aufhängung verbundenes Seil und kann an der Richtung des damit hochgehobenen Klotzes mitwirken. Es wird nicht gesprochen. Jeder hat ein bisschen Verantwortung und muss im wahrsten Sinne des Wortes "mitziehen". Jeder konzentriert sich dabei auf seine Aufgabe und die Gruppe machte uniform Bewegungen der ganzen Gruppe mit. Eine wirklich schöne spielerische Methode für die Arbeit am Zusammenwirken der Gruppe.
Auf das Teamteaching, also lehren zu zweit, wird viel Wert gelegt. Das Programm enthält viele Anregungen, scheint aber im Schullalltag schwer umsetzbar, da oft zeitintensiv. Es beschäftigt sich sehr mit der Situation, die sich aus zwei Lehrkräften im Klassenraum ergibt. Der erste Tag behandelte die Zusammenarbeit Praktikant – Lehrer, der zweite Tag ist nur für die Praktikanten bestimmt.

Tag 2 nur für die Praktikanten

Der zweite Tag wird mit den Lehrwerkern allein bestritten und besteht in diesem Jahr aus zwei Teilgruppen. Eine Gruppe unter Leitung der Tiroler Pädagogen beschäftigt sich mit konkreten Aufgabenstellungen und Diskussionen von Lernstandserhebungen in der Schule und deren Nutzen. In Gruppenarbeit wird diskutiert. Von einfachen Handzeichen der Schüler über ihren Wissensstand zu einem Thema bis zu detaillierten Lerntagebüchern ist alles vertreten und wirkt oft als gute Anregung und umsetzbar in der Schule. Außerdem wird der Umgang mit unterschiedlichem Wissensstand und Lernfortschritt der Schüler behandelt.
Der zweite Teil des Tages ist ein Vortrag eines Schulleiters, der sich mit allerlei wichtigen Detailfragen des Lehrerberufes beschäftigt. Er präsentierte seine eigene, hochmoderne Schule, die zum Beispiel eine eigene Sternwarte, Schwimmhalle und Terrarienanlage besitzt. Er gibt nützliche Tipps. Doch auch wirklich wichtige Fragen werden angesprochen:
Ein Lehrer hat 4 Jobs: er ist

  • Fachwissenschaftler in zwei Fächern
  • Pädagoge
  • Erzieher mit Erziehungsauftrag
  • und

  • Beamter mit allen Rechten und Pflichten.

Für den Lehramtsanwärter sind diese Fragen wichtig:

  • Warum wollen Sie Lehrer werden?
  • Was sind Sie bereit dafür zu tun?
  • Wie stellen Sie sich diesen Beruf heute und in 30 Jahren vor?

Denn jeder Tag in der Schule ist anders, es gibt immer Herausforderungen.

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