Bring’s dir selbst bei: auf dem ESBZ


Heute für morgen lernen mit Margret Rasfeld

 

Eine Dame in den Fünfzigern, in lila Blazer und rosa Anzughose mischt die deutsche Schule auf. Margret Rasfeld macht ihre eigene reformpädagogische Schule: die Evangelische Schule Berlin Zentrum. Sie tourt durch Deutschland, mit Schülern als Augenzeugenbericht im Schlepptau. Sie spricht vor gefüllten Hörsälen: "Wir müssen Schule radikal neu denken."

Schulsystem vor zahlreichen Kritikpunkten

Die evangelische Schule bekämpft die "Berieselungsmentalität" in deutschen Schulen. Es muss Schluss sein mit Schülern, die vom Lehrer Wissen eingetrichtert bekommen, damit sie im selektiven Bildungssystem fremdbestimmten Output einfach wieder auskotzen. Rasfeld fordert die flexible Schule für nachhaltige Lehrprozesse mit Wir-Bewusstsein. Kreativität und Innovationsgeist wird im deutschen Schulsystem drastisch eingeschränkt, so Rasfeld. Deshalb schreiben bei ihr die Kinder Lerntagebücher, sprechen ihr Lernen und Probleme mit Tutoren durch und lernen mit Auszeichnungen, erhalten Anerkennung vor der ganzen Schule und absolvieren Werkstätten. Damit sie ihre Talente entdecken und Potenziale entfalten.

Lernbüro für selbstständiges Lernen

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Neben jahrgangsübergreifendem Unterricht formen Rasfelds Schüler im Lernbüro kleine Gruppen. Sie wählen sich Bausteine mit Themenbereichen, wie z.Bsp. Terme in Mathe oder if clauses in Englisch und erarbeiten sich das Wissen selbst. Dazu nutzen sie von der Schule angefertigtes Material, dass an ihr selbstständiges Lernen angepasst ist. Ein Lehrer ist nur Betreuung und hochkompetenter Coach. In Eigenregie entscheiden die Schüler, wann sie für einen Test bereit sind. Mit dem schließen sie das Lernbüro ab, und erhalten ein Zertifikat. Diese Form der Anerkennung wird vor anderen in Kleingruppen, oder vor der ganzen Schule verliehen, um den positiven Effekt der Anerkennung zu betonen. Klingt sehr wie in der Wirtschaft. Und in der sollen sie ja später auch erfolgreich sein.

Selbst geplante Trips zu zweit mit Aufsichtsperson
Eine Visitenkarte mit Strichmännchen in Lilatönen und eine Päckchen Salz mit Bibelspruch der ESBZ

Die Mutkarte und ein Päckchen Salz gehören auch zu Rasfelds Schulidentität: Die Mutkarte als Visitenkarte und das Salz als Souvenir in der Tasche, das den Träger erinnern soll, ihre Konzepte auch anzugehen

Selbstständigkeit und selbstständig werden mit einer an deutschen Schulen bisher utopischen Methode: Schüler planen mit einem Budget von 150€ die "Herausforderung". Eine Reise außerhalb Berlins, bei der sie sich selbst verpflegen, die Reiseroute festlegen und gemeinnützige Unternehmungen nach Interesse erleben sollen. Und das lässt die mitgebrachten Schülerinnen der ESBZ reif wirken: immer wieder übernehmen sie Teile des Vortrags, um auf jugendliche, aber doch sehr reife Art zu sprechen und zu berichten. Sie machen einen sehr guten Eindruck, den man von Schülern so nicht kennt. Und dabei sind sie erst 15. Leicht aufgeregt sprechen sie ausführlich vor vollbesetztem Saal.

Immer wieder ehrgeizige Tendenzen

Das ESBZ gibt ein Gefühl von Zukunft, ein inspirierender Blick auf das Kommende. Gestandene Lehrer sehen Rasfelds Bestrebungen relativ, schließlich kommen solche Entwicklungen alle Jahre wieder. Frau Rasfeld jedenfalls wirkt wie die starke Hand hinter der Schule und treibt an. Mal sehen, wie es weitergeht.

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