Auch Studierende müssen arbeiten: Gesetzesdschungel


In der Serie Auch Studierende müssen arbeiten gebe ich ein paar Tipps zum Job neben dem Studium als Checkliste und stelle nach und nach drei Jobs vor, die ich mit meinen eigenen Erfahrungen beschreiben kann.


Du als Student mit Job kannst um die ganzen gesetzlichen Regelungen gut drum herumkommen. Ein bisschen Wissen ist aber nie verkehrt. Denn Regelungen wie zum Beispiel die Höhe des Lohns oder Anrecht auf andere Zusatzzahlungen lassen mehr Geld in deine Tasche wandern.

Lohn in Deutschland

Dein Studentenjob ist grundlegend als 450€-Job ausgelegt. Solange dein Monatslohn unter diesem Betrag bleibt, genießt du die Vorteile des Minijobbers. Denn dieser hat Steuerfreiheit. Der Arbeitgeber muss geringfügige Abgaben für dich zahlen, was Pflegeversicherung betrifft, davon abgesehen bleibst du aber von der Lohnsteuer verschont. Das ist super, denn Studenten wären ohne diese Regelung in Steuerklasse 1. Da werden ordentlich Abzüge fällig. Außerdem erhalten deine Eltern weiterhin Kindergeld für dich, und solltest du BAFöG bekommen, kannst du im Jahr 4800€ dazuverdienen, ohne dass Abzüge kommen. Wenn du den Betrag überschreitest, wird dir dies 1:1 vom BAFöG abgezogen.

Seit dem neuem ELStAM-Verfahren ist es für dich ganz einfach, als Student abgerechnet zu werden. Du gibst deine Steueridentifikationsnummer (Diese hast du vom Einwohnermeldeamt bekommen) an die Abrechnung bei deiner Arbeitsstelle und schon bist du steuerfrei. Wenn du das nicht tust, wirst du mit Pauschalbeträgen in Steuerklasse VI abgerechnet, und das macht keinen Spaß. Bis zu ein Drittel deines Lohns ist dann futsch.

Abgesehen von dem Maximum von 450€ muss dein Lohn auf jeden Fall Mindestlohn sein. Seit 2015 sind das 8,50€/h. In Bayern werden auf jeden Fall höhere Löhne gezahlt. Wie zuvor schon erwähnt, sind etwa 10€ die Obergrenze.

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In einem Sozialstaat fallen auf den Lohn auch immer Steuern an. Hier hast du als Student auch Vorteile: Die Jahresarbeitslohngrenze, bis zu der in Steuerklasse I keine Lohnsteuer anfällt, beträgt im Jahr 2015 11.407 €. Und als 450€-Jobber bist du versicherungsfrei in der Sozialversicherung. Dir wird nichts vom Lohn abgezogen und es ist dir selbst überlassen, ob du mit Versicherungen vorsorgen willst. Da das Geld eh knapp ist, nutzt man meißt aber einfach den Vorteil, nichts weiter zahlen zu müssen.

Krankenversicherung nötig

Du brauchst auf jeden Fall eine Krankenversicherung. Diese kommt für krankheitsbedingte Kosten beim Arzt auf. Im Regelfall bist du sowieso versichert, da auch Universitäten prüfen, ab man krankenversichert ist. Du brauchst also keine Versicherung zusätzlich. Der Arbeitgeber hat mit der Krankenversicherung aber nichts zu tun. Das machst du alles privat.

Für Krankenkasse und Pflegeversicherung zahlst du 70% des allgemeinen Satzes, in 2015 also 10,55% in der Krankenkasse. Dies wird vom Bedarfssatz von 597€ nach § 13 Abs. 1 Nr. 2 und Abs. 2 BAföG berechnet. Dieser Satz bezieht sich pauschal auf einen Student, der nicht bei seinen Eltern wohnt. Damit kommst du auf Sätze von:


Krankenversicherung monatlich 61,01 € (10,22% von 597 €) + möglicher krankenkassenindividueller Zusatzbeitragssatz
Zusatzbeitrag von 0,3%: Es kommen 1,79 € dazu. Gesamtbeitrag 62,80 €.
Zusatzbeitrag von 0,8%: Es kommen 4,78 € dazu. Gesamtbeitrag 65,79 €.
Zusatzbeitrag von 0,9%: Es kommen 5,37 € dazu. Gesamtbeitrag 66,38 €.
Beim Zusatzbeitrag greift die 70%-Regelung nicht.

Pflegeversicherung monatlich 15,52 € (für kinderlose Studierende über 23 Jahre; 2,60% von 597 €)
Pflegeversicherung monatlich 14,03 € (für alle anderen Studierenden; 2,35% von 597 €)

Damit liegst du insgesamt bei etwa 81,9€.

Arbeitszeit

Das Gesetz schreibt eine pauschale Anzahl von Stunden vor, die du arbeiten darfst. Es wird davon ausgegangen, dass das Studium nicht beeinträchigt werden darf. Das heißt, du darfst nicht mehr als 20 Wochenstunden arbeiten. Sonst verlierst du den Status als Student und wirst voll Kranken-/Pflege-/Arbeitslosenversicherungspflichtig.

Krankheitsfall

Für dich verhält es sich wie für andere Arbeitnehmer auch. Du hast bis zu 6 Wochen Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Dazu muss:
1.) der Arbeitgeber sofort informiert werden, dass der Studierende wegen Erkrankung nicht arbeiten kann
2.) der Arzt dir eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausstellen, die beim Arbeitgeber innerhalb von 3 Tagen vorliegen muss. Ansonsten droht Zahlungsausfall und Kündigung.

Urlaubsansprüche

Auch hier bist du ein ganz normaler Arbeitnehmer. Das bedeutet, dass mindestens 24 Werktage Urlaub im Jahr Pflicht sind, sowie alles, was der Tarifrahmenvertrag enthält. Der Urlaub wird aber anteilig berechnet, hast du nicht gearbeitet, gibt es auch keinen Urlaub oder Urlaubsgeld. Kann der Urlaub nicht während der Beschäftigungszeit genommen werden, wird er finanziell ausgeglichen. Dabei erhältst du den durchschnittlichen Arbeitsverdienst innerhalb der letzten 13 Wochen vor Beginn des Urlaubs. Auf bezahlten Urlaub hast du Anspruch, also verlange ihn auch.

Weihnachtsgeld

Erhalten andere Arbeitnehmer in deinem Betrieb Weihnachtsgeld, so steht es dir auch zu. Gleiches Recht für alle.

Kündigung

Kündigen darf der Studierende und der Arbeitgeber nur schriftlich. Hierbei müssen alle finanziellen Angelegenheiten ordnungsgemäß zuende gebracht werden, also Lohn und Urlaub gezahlt werden etc.. Alle Unterlagen sind entsprechend beidseitig zu übergeben und der Arbeitgeber muss eine Bescheinigung für das Arbeitsamt ausstellen, sowie ein Arbeitszeugnis. Willst du dieses haben, dann solltest du es verlangen, es kann dir später sehr nützlich sein. Gekündigt werden kann nach §622 BGB mit einer Frist von 4 Wochen zum Fünfzehnten oder Ende des Kalendermonats. Die Kündigungsfrist verlängert sich bei einem Arbeitsverhältnis von 5 Jahren auf 2 Monate. In der Probezeit ist die Frist 2 Wochen. Arbeitslosengeld erhältst du nicht.

Insgesamt verhält es sich in Deutschland so, dass den Studierenden mit dem 450€-Job sehr entgegengekommen wird. Viele Vergünstigungen machen dir das Leben leichter und berücksichtigen deine besondere Situation als Studierender, der Studium und Arbeit zu balancieren hat.

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