Europa entdeckt die Maya

Montag, 3. Dezember 2012 |
Veröffentlicht in Gesellschaft

1017 Wörter

oder

Das kosmische Barbecue

Im Jahr 2009 bringt Roland Emmerich den Film „2012“ heraus. Wie so viele andere Regisseure hat auch Emmerich die Gabe, die Zukunft vorherzusehen. Denn Filme über die Zukunft gibt es genug. Emmerich, mit Stift und Notizblock bewaffnet, schritt zufällig in einer nicht zu bestimmenden Zeit vor dem Erscheinen seines Films „2012“ durch den mittelamerikanischen Urwald. Durch die Weltgeschichte schlendernd und völlig begeistert von all den grünen Pflanzen um ihn herum, stolpert er über einen Stein.

Er sieht sich den fiesen Wegelagerer etwas genauer an, und siehe da, als Kenner der indigenen amerikanischen Völker offenbart sich ihm sofort seine Bedeutung: Im Jahr 2012, genau am 21.12., so kurz vor Weihnachten, da wird uns, der Menschheit, das Licht ausgeknipst werden. Zwar hat Emmerich diesen Urwald wohl nur in seiner Fantasie beschritten und diese Ansicht über das Ende der Welt von einigen (geistig umnachteten?) Forschern übernommen, aber dennoch, einige Forscher sind sich sicher, die Welt wird untergehen.

Und sie haben unumstößliche Beweise dafür: die ersten paar Bildchen von fantastischen Kreaturen, in Stein gemeißelt, Hieroglyphen nicht unähnlich, mitten im Urwald, von einem Volk, das großes astronomisches Wissen besaß und bei dem Menschenopfer einfach dazugehörten: die Maya.

Wohl seit dem Erscheinen von Emmerichs Film hat nun jedermann, der etwas auf sich hält, das Datum des Exitus im Kopf vermerkt. So wie im Jahr 1999, in dem sogar die Börse den Großteil des Jahres den Anschein erweckte, auszuholen und die Flinte mit Schwung ins Korn zu pfeffern. Vielleicht wird es wieder so wie mit Noah damals?

Wir glauben nichts mehr

Ganz im Geiste unserer Zeit, in der sowieso immer weniger Menschen an etwas Übermenschliches glauben wollen und absolut nichts langweilig sein darf, planen humoristisch angehauchte Menschen ihre Weltuntergangs-Aftershow-Parties. Dem sehr rationalen Prinzip „Solange man seinen Spass hat“ folgend und die unsichtbare Macht der einzigartigen Planetenkonstellation am 21.12.2012 kategorisch missachtend wird der Tag sicher eine Mordsgaudi. Gibt es aber denn überhaupt etwas, was an diesem Tag passieren wird?

Im Maya-Kalender endet an diesem Tag der 13. Baktun, ein Zyklus von 394 Jahren. Bolon Yokte, ein Maya-Gott, hat mit diesem Datum etwas zu tun, allerdings ist an der Stelle kein Material mehr erhalten, das diese Prophezeiung vervollständigen könnte. Bolon Yokte ist eine Gottheit des Krieges und der Schöpfung.
Palenque Mexiko

Maya-Ruinen in Palenque MexikoDie Maya-Ruinen in Palenque/Mexiko.
Unter Creative Commons Lizenz Urheber Jan Harenburg

Die Maya rechnen vom Jahre 3114 v.Chr. aus und betrachten die 13 als eine heilige Zahl. Die 13 ist wohl jedem in vielen Formen bekannt, so zum Beispiel als Freitag der 13te, dem Unglückstag. Der Tag an dem man eine schwarze Katze, die von rechts nach links die Straße überquert, plattfahren sollte und besser keine Leiter besteigt, weil die, bockig wie nun mal Leitern sind, urplötzlich den Dienst versagen und den ihr hilflos ausgelieferten Menschen ins Grab bringen wird. „Das geht ja noch“ würde mir dazu einfallen, stelle man sich doch mal vor, man käme in den Deutschunterricht!

Grillen im Sonnenschein

Nichtsdestotrotz, zurück zu der absolut wasserdichten (westlichen) Maya-Weltuntergangtheorie. Am letzten Tag des 13. Baktun, oder auch dem 21.12.2012, wird für die Maya der Jahrestag der Schöpfung sein. Die Sonne zieht mit dem Zentrum der Milchstraße gleich. Es ist beeindruckend zu sehen, wie die Maya so etwas berechnen konnten. Nun spekuliere ich, mit meinem nicht vorhandenen Fachwissen in Astronomie, dass der Mond ja auch Auswirkung auf die Erde hat. Gravitation zwischen Mond, Erde und Sonne verursachen die Gezeiten. Als ein Mensch, der das Übertragen von theoretischen Konzepten auf andere Theorien verinnerlicht hat (daran ist übrigens nicht die Schule schuld), ergibt sich eine logische Konsequenz: die Sonne, die nun mal für das Leben auf unserem Planeten verantwortlich ist, wird uns alle wie Grillhähnchen am Spieß rösten, bis wir schmackhaft durch und goldbraun sind. Pfiffige Hähnchengourmets sollten sich also schleunigst einfallen lassen, wie sie den infernalischen Hitzewallungen entkommen und einen paradiesischen Festschmaus bekommen können. Ich persönlich würde mich nicht auf den Sonnenschirm im Garten verlassen.

Als einigermaßen kritischer Mensch, der leider Religionen nichts abgewinnen kann, aber dennoch keine befriedigende Antwort auf die Frage unseres Entstehens hat, kam mir vor kurzem eine doch sehr plausible Theorie unter: huldige die Sonne. Wie George Carlin in trockenem, oft auch unflätigem Humor mir erklärt, sei dies nun mal eine sehr sinnvolle Geschichte. Die Sonne macht Licht und Wärme, und Licht und Wärme machen Leben. Die Sonne ist mächtig. Und wenn ich gierig werde und zu viel von ihr will, dann kriege ich Sonnenbrand. Das kann ich verstehen, ich würde es nicht mögen, wenn etwa 2,26 Milliarden Menschen ihren Gott Tag für Tag im Gebet um Dinge bitten, die ganz allein in der Verantwortung der Menschen selbst liegen. Und natürlich kann ich nicht verstehen, dass Gott das ohne Antwort oder Beschwerde hinnimmt.

Und, anders als alle anderen Götter, kann ich die Sonne sehen. Wie George Carlin sagt: „Kinda helps the credibility along, you know…“

Die Maya sind nun leider auch eine Religionsgemeinschaft und ich kann mich nach wie vor dem Gedanken nicht verwehren, dass die Grillsoßen, in Vorbereitung auf das Ende der Welt von mir in großer Menge gekauft, im Endeffekt sinnlos ihrem Verfalldatum entgegensehen werden. Und Grillen im Winter? Auch nicht so der burner. Ich sollte mich also einer dieser Aftershowparties anschließen und schlicht abwarten, ob diese miese menschliche Existenz ihr Ende finden wird. Der positiv denkende Mensch wird nämlich zwei entscheidende Vorteile daran ausmachen: Frei nach dem Prinzip „going out with a bang“ kann man es (im Bett?) noch einmal richtig krachen lassen. So hat man noch ein Mal seinen Spass gehabt falls es wirklich vorbei sein sollte, und sollte dem nicht so sein, so hatte man zumindest seinen Spass.

Quellen:

http://www.welt.de/wissenschaft/article13735009/Zweite-Maya-Tafel-prophezeit-Apokalypse-fuer-2012.html
http://www.21dezember2012.org/mayakalender.html
http://www.welt.de/kultur/history/article13883617/Was-wirklich-im-geheimnisvollen-Maya-Buch-steht.html
http://www.sueddeutsche.de/wissen/maya-kalender-weltuntergang-verschoben-1.1354990-3
http://www.youtube.com/watch?v=EkS7z4ooV2Q
http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Palenque_ruins_web.jpg

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