Alles nur geträumt?

Donnerstag, 22. Mai 2014 |
Veröffentlicht in Durchmischt

853 Wörter

In der Nacht sieht man nur sich selbst. Dass im Leben das Unterbewusste den Ton angibt, ist den Menschen lange schon klar geworden. Im Schlaf hat das Unterbewusste jedoch die volle Kontrolle über das, was wir sehen. Man träumt in Bildern, die selten nah an dem Leben im Wachzustand dran sind. Das Unterbewusstsein spricht ohne Hemmungen und Grenzen, es nutzt das Gehirn für sich und wir können „sehen“ was passiert. Wir sehen, was aus dem Erlebten herauskommt, denn das ist der Stimuli für die Wirklichkeit im Traum.
Auch wenn die Auswirkungen von Träumen nicht ausreichend erforscht sind weiß man, dass Träume wichtig für die gesunde Psyche sind. Sie werden als subjektives Erleben im Schlaf erklärt, welches auch am Tag aktiv ist und uns bei allen Erfahrungen begleitet.

Im Schlaf findet das Gehirn Zeit, das Erlebte und Gespeicherte zu verarbeiten. Dabei werden Empfindungen, Bilder und Gedanken sortiert und Teile von ihnen mit schon gespeicherten Erinnerungen verknüpft und werden zu neuen Erinnerungen. Wichtig sind zum Beispiel Gefahren. Alles was in uns als dem Träumer Angst auslöst, muss in Zukunft vermieden werden, um zu überleben. Angst wird so immer als Ausdruck von Gefahr für unser Überleben behandelt.
Das Gehirn findet im Traum neue Assoziationen zu Dingen, die uns beschäftigen. So können Routinen im Traum repräsentiert werden. Das findet bei allen Techniken Anwendung, die auf die Veränderung oder die gezielte Nutzung der Traumphase für den Menschen ausgerichtet sind. Träume bestehen aus Personen, Geschehen und anderen Dingen aus dem Leben im Wachzustand, die einem Bedeutung verkörpern. Die Verschleierung der zentralen Bedeutung in Bildern aus dem Wachzustand bezieht ihre Verbindung zur Bedeutung mit ein und dient dazu, das Ereignis auf emotionalem Abstand vom Subjekt zu halten. Wir erfahren somit zum Beispiel eine Bedrohung als körperlich, also als ein Mensch, um sie einfacher zu verstehen und um ihre Wirkung auf uns abzumildern. Die Konfrontation verläuft indirekter als es im echten Leben der Fall sein kann.

Doch träumen ist nicht nur die Nachwirkung des Tages, Träume sind auch die geistige Freiheit. Laut der Theorie der Psychoanalyse ist im Unterbewusstsein all das vorhanden, was wir unterdrückt haben. Wir verteidigen unser Bewusstsein gegen unser Unterbewusstsein, da es unterdrückte Erfahrungen und Emotionen enthält. Die unterdrückten Erfahrungen und Emotionen waren und sind für uns verängstigend, weshalb sie unterdrückt wurden und auch im Traum etwas zensiert erscheinen müssen. So kann eine Person, die uns vertraut oder „sicher“ erscheint, eine uns gefährdende Person oder Sache verkörpern. Durch Ersetzen erkennen wir es nicht sofort als die ursprüngliche Gefahr, und können einfacher damit umgehen. Außerdem, so wie im Gehirn Gedanken und Erinnerungen untereinander verbunden werden, so werden mehrere Eigenschaften in ein einziges Traumbild kondensiert. Die unterbewusste Bedeutung wird verschleiert. Somit hat ein Traum sowohl latenten (die Nachricht vom Unterbewusstsein) und einen manifesten Inhalt (die Verschleierung der Nachricht). Träume können interpretiert werden, um ihre Bedeutung zu erfahren und daraus Rückschlüsse für den Alltag zu ziehen. Das geschieht in der Psychoanalyse und Traumdeutung.
Der Träumer selbst schafft die Charaktere im Traum, sie sind also repräsentativ für Teile unserer psychologischen Erfahrung, die wir auf sie projizieren. Der Mensch neigt dazu, Angstsituationen aus dem Weg zu gehen, wodurch die Angst meist schlimmer wird. Besonders kreative, sensible und einfühlsame Menschen leiden unter Stress; gehen sie diesem aus dem Weg vergrößert sich die Angst und die Tendenz zur Verdrängung, und sie begegnen ihren geballten Ängsten im Traum. Sie leiden durch ihr Verhalten an starken Angstträumen. Doch wie sollte man mit Träumen umgehen?

Träume werden vielfach ignoriert, da der normale Tagesablauf es nicht zulässt, sich mit sich selbst tiefgründig auseinander zu setzen. Das Hinterfragen der Geschehnisse und des Alltags widerspricht dem Effizienzmodus, in dem sich die modernen Menschen befinden. Allerdings können uns die Träume als Zugang zum Unterbewusstsein viele Hinweise zum Umgang mit täglichen Situationen und Emotionen geben. Um seine eigenes Gefühlskorsett beurteilen zu können, kann man zum Beispiel ein Traumtagebuch führen und somit feststellen, wie sich die Traumerlebnisse verändern und welche Emotionen folglich zu einer bestimmen Zeit vorherrschend sind. Dabei kann man leicht auf Dinge stoßen, die man im bewussten Leben übersehen und ignoriert hat, was wiederum bewusste Veränderungen und damit Verbesserung des Lebens ermöglichen kann. Denn wenn man seine Probleme und Ängste kennt, kann man sich eine Lösung erarbeiten. Die hoffentlich das eigene Leben besser macht. Dann haben wir doch nicht alles nur geträumt.

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